So, liebe Leute, Euer Willi Wühlblech ist wieder da und liefert Euch wie gewohnt rasante Laufberichte von den Top Events der internationalen Laufszene für
www.latschmichtod.com.
Ihr habt ja meine Berichte verfolgt, 287 Tage Lifereportage vom Jakobsweg, erstmals wurde die Teilstrecke von Santiago de Compostela nach Navarra in einem läuferischen Gewaltakt bezwungen und ich war mit dabei. Keine Ahnung, warum die anderen alle in die andere Richtung unterwegs waren.
Heute geht es nahtlos weiter mit einem Mega Event am Pfingstsamtag in der Läuferhochburg Ruhrgebiet. Schon früh an diesem sonnigen Maitag waren Scharen von Zuschauern zum Hengsteysee gepilgert, der seinen Namen vom Weltberühmten Hengstlauf ableitet, und annähernd vergleichbar mit dem "Everest Womens Night Run" ist. Herausragend organisiert von den Endorphinjunkies als erster offener Vereinsmeisterschaft.
Das in einem schier endlosen Qualifikationsmarathon seit 1998 ausgesiebte Eliteläuferfeld findet sich gegen 8:30 im Start/Zielbereicht ein. Damit alle aufnahmefähig für das komplizierte Streckenbriefing sind, wird Sekt gereicht. Die Streckenmarkierung besteht auf grünen gültigen und roten ungültigen Pfeilen sowie an besonderen Aussichtsstellen angebrachtem rot/weissen Flatterband, mit dem die Verbundenheit der Veranstalter mit den Ausrichtern der anstehenden Fußballeuropameisterschaft betont wird.
Das international besetzte Läuferfeld bevorzugt die sogenannte Kollektormethode zum aufwärmen. Plaudernd steht man in der Sonne stehend, bis jemandem auffällt, dass es kurz vor neun ist.
Begleiten wir nun den Geheimfavoriten auf den fünften Platz und führenden in der Jahresweltbestenliste M90 (kg) Wilbert auf seiner Premiere auf der 11km Strecke.
"Das Feld geht auf das erste Flachstück, gut 1,5km und die Intervalltrainierer sind locker vorn. Ich halte mich hinter der Spitze schon leicht schnaufend mit einem 5:00 Tempo ganz ordentlich. Mit 70 Metern Rückstand geht es in den ersten Antstieg, ein Wurzelpfad führt gut 80 Meter höher.
Erst überholt, dann an dritter Stelle liegend wird das Tempo rausgenommen, bis auf 6km/h. Das Führungsduo entfernt sich langsam weiter, wenn einer von hinten vorbei will, wird sich der schon melden.
Dann ein Flachstück, der Puls kann von 98% auf 95% reduziert werden. An jeder längeren Gerade blitzen zwei Junkie-Shirts auf, bloss irgendwie dran bleiben, denn wie soll man rote von grünen Pfeilen unterscheiden, wenn einem schwarz vor Augen wird. An einem längeren, aber nicht so steilen Zwischenanstieg findet sich einer der zahlreichen Mattesse auf dem Pfad, nach einem gescheiterten Versuch, mich auf Abwege zu bringen, muss er mich ziehen lassen. Jetzt heisst es verlaufen oder weiter dran bleiben. JunkieMattin läuft voraus und von hinten ist auch auf den Kehren, die weiter Blicke zurück erlauben, niemand zu sehen. Merkwürdig.
Der letzte Anstieg ist grausig, zum Schluss ein Treppenstück, den bisherigen Maximalpuls um 5 Schläge überboten. Verdammte Kurzstreckenläufe. Dann das Denkmal, ein näherer Verwandter vom Herrmann wartet oben, und die 275 gemessenen Höhenmeter sind geschafft, eine Runde um das Denkmal, die Streckenposten freundlich angelächelt und vorher die Zunge halbwegs aufgerollt einigt man sich auf Waffenstillstand und einen gemütlichen Bergablauf, bis sich endlich jemand von hinten zeigt. Denn für uns beiden ist jeweils ein Pokal vorhanden, also warum sich unnötig überanstengen.
Aber merkwürdig ist es schon, das von hinten keiner auftaucht. Der letzte Kilometer leicht bergab und flach in 4:55 ist ja nicht rekordverdächtig.
Dann kommt jemand von vorn. Ich meine, es läuft jemand vor uns, der eigentlich hinter uns laufen sollte. Die ärgsten Verfolger haben sich die Zunge aus dem Hals gerannt, um uns bergab und auf dem letzten Flachstück noch einzuhohlen, der schnellste und Geheimfavorit war denn auch vor uns im Ziel, aber leider nur 10km gelaufen. Dem anderen Geheimfavoriten ist es noch übler ergangen, auf einer Bergabpassage bös gestürzt mit blutendem Arm erhobenen Hauptes ins Ziel gekommen hätte es sonst sicher noch mal richtig dampf gemacht. Ich hoffe, es ist bei den Fleischwunden geblieben und nicht doch ernsthaft was kaputtgegangen.
So kommt es zu einem nicht für alle ganz glücklichen Abschluss der Veranstaltung, aber die wirklich sehens-und höhrenswerte Siegerehrung reisst einiges wieder raus. Nach Art von meinem altem Lateinlehrer wurden die Teilnehmer von langsamer nach schneller mit Urkunden beglückt, wobei die Reihenfolge eine äusserst ungewöhnliche Erfahrung für mich war, beim Lateinlehrer war ich immer als erster dran.
Es war schön bei Euch und wenn es sich irgendwie machen lässt, bringe ich die Goldschüssel im nächsten Jahr wieder mit, und dann haben auch die Favoriten weniger Pech.
Ach ja, die Urkunde habe ich dann doch beim Einpacken in einem Auto liegen lassen. Ich nehme an, die wird jetzt bis zum Röntgenlauf in einem Junkiefahrzeug spazieren gefahren. Ich muss jetzt dringend nach Ikea, eine Pokalvitrine kaufen."
Soweit die etwas langatmigen Selbstbeweihräucherungen von Wilbert, wir müssen uns aus der After-Run Party leider ausblenden, weil die jugendfreiheit der Sendung leider nicht weiter gewährleistet werden kann. Ich bleib dann noch ein bisschen.....
bis demnächst in diesem Kino
Euer Willi Wühlblech
11km 275hm knapp unter 58 Minuten.