Hallo an alle,
nachdem ich doch sehr viele Tipps und Anregungen hier im Forum erhalten habe, kommt jetzt mein Bericht.
Ich habe 2002 mit damals 165 kg bei einer Größe von 1,79 m, Alter 33 Jahre nach einer Erkältung und gleich einem "Vorsichtshalber" Notarztbesuch bei mir doch mal die Eingebung gehabt, ich sollte vielleicht etwas tun.
Also habe ich alle Lebensmittel aus dem Kühlschrank und der Vorratskammer verbannt, welche nicht zu einem schlanken Menschen passen. Wow, waren das Mengen. Ein Freund hat damals (gerne) alles mitgenommen, nach Ablaufdatum sortiert, und, ungelogen, 6 Wochen nichts mehr einkaufen müssen außer Obst/Gemüse/Brot.
Dann folgte der schon lange fällige Anruf bei meinem Arzt. Dieser, selber recht
schlank, hat sich gerne Zeit genommen, mir zu erklären, worauf es seiner Meinung nach ankommt. Kurzversion: Weniger Kalorien essen, als man verbraucht =
Abnehmen. Schön gesagt. Nur, wer so wie ich ca. 10000 cal. / Tag futtert (war wirklich so..) kann sich nicht vorstellen, das man unter 3 Teller Spaghetti satt werden kann. Ich habe damals satt mit voll verwechselt.
Jetzt gibt es ja verschiedene
Diäten. Die einen sagen nur Fleisch und Fett, die anderen nur Gemüsse, wieder andere, FDH (Friss die Hälfte) - was bei mir immer noch etwa 90% über meinem Bedarf gewesen wäre.
Das Problem ist: Diäten sind was für normale bis fast schlanke Figuren. Wer schon 2 kg vor seiner Wunsch Konfektion steht, der kann ohne weiteres mal 4 Wochen eine
Diät durchhalten, um den Körper zur herausgabe der Vorletzten Fettreserven zu zwingen. Bei einem BMI von 51,5 (!) ist nur eine Umstellung der Ernährung die Lösung.
Wir schreiben also das Jahr 2002, es ist der 04.Februar. Ich habe mich entschieden: Jetzt geht es los. Nur was tue ich gegen den Hunger. Fettzellen "schreien" nach Substanz, wenn es ihnen an den Kragen geht. Man spricht deshalb von Fettsucht. Es ist eine Körperliche (Hunger) und Geistige (Essen) Abhängigkeit, wohl ähnlich von Alkohol, Tabak oder "leichten" Drogen. Nur, Essen muss man. Mit Alkohol oder Rauchen aufzuhören ist nicht leicht, aber möglich. Essen kann man bekanntlich nicht aufhören, da man dann auch mit Atmen aufhört. Also muss man das, was man gerne tut in vernünftige Bahnen lenken. Hier hatte ich zum Glück Hilfe von meiner Frau. Sie ist recht schlank und konnte mir erst mal klar machen, was eine normale Portion ist. Davon hatte ich keine Ahnung.
Aber wie komme ich über den Tag. Die Lösung: Ich habe meine Ernährung umgestellt auf Salat, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Obst. Kohlehydrate und sichtbares Fett habe ich die ersten 3 Jahre komplett weggelassen. Also kein Brot bzw alles was vom Bäcker kommt, Nudeln, Reis, Zucker (auch Fruchtsäfte) sowie Alkohol (dazu später mehr). Es sind genug verdeckte Kohlehydrate in der Nahrung, habe ich gelernt. Morgens starte ich meist mit einer Mischung aus Joghurt und Hüttenkäse, Vormittags gibt es Mohrrüben, Paprika, Gurke oder mal einen Apfel. Mittags versuche ich ein Gemüse oder Salatgericht zu ergattern. Nachmittags entweder Obst oder Quark, Abends Salat in Mengen, die eine normale 4-köpfige Familie nicht essen kann. Aber nur so ging es.
Wichtig: Trinken! Wer abnehmen will sollte sich über ein paar Dinge im klaren sein. Fett wird vom Körper u.a. als Giftdepot genutzt. Was die Leber nicht abbauen kann, lagert der Körper gerne in den Fettzellen ein. Wenn man dann endlich abnimmt, wird das Gift (Putzmitteldämpfe, Alkohol, ..) wieder frei. Um es los zu werden braucht er viel Wasser. Ich trinke mindestens 2,5 Liter Wasser am Tag, oft 3,5 bis 4 Liter. Grund 2 ist, wenn genug Wasser im Körper ist, wird er auch nicht auf die Idee kommen, selbiges einzulagern. Das spart ganz schnell 1-2 kg Gewicht.
Thema Alkohol. Wer Fett abbauen will, hat ein weiteres Problem (eventuell). Die Umwandlung von Fett zu Energie funktioniert NICHT in Anwesenheit von Alhohol im Körper. Das ist chemisch nicht möglich! Alkohol ist ein Nervengift, wenn auch ein sehr feines. Sobald er im Körper ist geht der Körper auf Priorität Abbau des Alkohol und raus damit. Ist gleichzeitig Zucker bzw. Kohlehydrate anwesend werden die zur Energieversorgung genutzt und dann geht der Rest in die Depots - leider. Also: Ein Weißbier nach dem Sport ist keine gute Idee, wenn der Sport der Figur dienen sollte.
30 Kg in 7 Monaten: 01.09.2002 - 135 KG
Es hat funktioniert. Nur mit einer anderen Ernährung geht es voran. Am Anfang war an Sport nicht zu denken. Hat sich jemand von Euch schon mal einen Wolf gelaufen? Bei einem Dicken Menschen passiert das sofort. Die Beie schleifen im normalfall immer aneinander. So kann man nur Schwimmen - alles andere geht einfach nicht. Treppen steigen war eine Herausforderung für mich. Jetzt geht es wieder. Auch das Zubinden der Schuhe klappt wieder. Inzwischen sehen Freunde auch, das sich was tut. Die ersten 10 kg sind gar nicht aufgefallen. Aber jetzt.
Inzwischen werden die Portionen, wenn man das so nennen kann, etwas kleiner. Von selber. Ist immer noch sehr viel, aber geht voran.
Jetzt fange ich mit Sport an. Ich habe mir bei eBay ein Sitzfahrrad gekauft. Darauf fahre ich jeden 2ten Tag. Am Anfang 5 Minuten und dann war ich so außer Atem, das ich aufhören musste. Am nächsten Tag gehen schon 10 Minuten. Nach 4 Wochen sind es 45 Minuten jeden 2ten Tag. Bei diesem Rhytmus bin ich bis heute gelieben. Sport an jedem 2ten Tag.
31.12.2002 - 121 KG
Über 40 kg im ersten Jahr. Zu dem
Fahrrad im Sporteck zuhause ist auch noch eine Langhantel, zwei Kurzhanteln und ein Fitnessturm gekommen. DIeser hat eine geführte Langhantel mit Gewichtsscheiben, eine Seilzugeinrichtung und eine verstellbare Bank. eBay läßt grüßen.
28.08.2003 - 112 KG
Die 50 kg Marke ist passiert. Seit 3 Monaten habe ich einen
Crosstrainer dazugekauft. Ich wechsele jetzt ein mal Fahrrad und 1 x Cross - nach wie vor jeden 2ten Tag.
Wir waren im Urlaub im Club Med, Djerba la fidele. Das war eine Herausforderung für mich. Für diejenigen, die noch nie in einem Med waren. Franzosen verstehen auch oder besonders im Urlaub etwas vom Essen. Morgens Mittas und Abends Buffet. Ca. 60 Laufmeter Köstlichkeiten und natürlich All Inclusiv. Zum Glück habe ich meine Ernährung so weit im Griff, das ich morgens meinen gewohten Joghurt mit Obst, Mittags und Abends je 2 - 3 Salatteller gegessen habe. Getränk: Waser und Kaffee. Auf den Salat habe ich mal ein paar Gambas gelegt, mal Fisch oder Geflügel. Von den Tellern mit Pizza, Pommes, Currywurst, Gambas und Kuchen (so gesehen am Nachbartisch bei einem offensichtlichen Buffet Anfänger) konnte ich mich gut fernhalten. Am Ende des tollen Urlaub hatte ich sogar 2 kg weniger.
02.09.2004 - 98,4 KG
Uhu - Unter Hundert. Das war ich das letzte mal mit 23 Jahren. Wow. Ich schiebe das auch ein bischen auf den Neuzugang in meinem Gerätepark. Ein Profi Crosstrainer. Dar erste ist wieder rausgeflogen weil ich mir (bei eBay) aus einem Sportstudio ein gebrauchtes Profigerät gekauft habe. Für 35 Euro. Leider musste ich nach NRW fahren dafür. Sind doch 600 km, aber in Summe war es o.k. Und für meine Frau und mich war es ein schöner Ausflug.
Im Urlaub waren wir in der Türkei. In dem Hotel gab es einen Fitnessbereich mit einem Laufband. Laufen. Das war doch das Thema, wovor ich schon im Schulsport immer einen Horror hatte. Das, wo man nach 3 Minuten Seitenstechen bekommt, als würde man mit einem Messer verletzt. Soll ich?
In diesem Urlaub bin ich dann seit 20 Jahren das erste mal und zwar freiwillig gelaufen. Und natürlich war das Seitenstechen da - aber erst nach 15 Minuten. Warum? Inzwischen weis ich, das meine Atmung einfach falsch war. Ich habe mir in München einen Läufer aus dem Freundeskreis geschnappt und gefragt. Der hat mich aufgeschlaut.
14.07.2008 - 91.8 KG
So, jetzt sind wir endlich beim Thema: Ich habe mir ein Laufband gekauft. Wo sage ich gar nicht erst. Hier im Forum habe ich viel gelesen zum Thema richtige Schuhe, Technik usw. Also bin ich in einen der Runners Points gegangen (Sport Scheck in München, Sendlinger Strasse) und habe mich beraten lassen. Ist schon erstaunlich, was man alles falsch machen kann. Vor allem, wie sehr das auf die Knie geht und einem den Sport versaut.
Aufgrund meines langjährigen Übergewichtes neige ich dazu, beim Abheben des Fußes nach innen wegzuknicken. Somit brauche ich einen Schuh, des dem entgegenwirkt und innen verstärkt ist. Und als "schwerer" Läufer mit über 90 kg (wenn ihr wüsstet) muss der Schuh gedämpft sein. Ich habe mich dann gleich für den 2ten Vorschlag, einen Mizuno X10 für 80 Euro entschieden. Nachdem ich mit dem zwei mal gelaufen bin, habe ich meine alten Schuhe weggeworfen. Kein Vergleich.
Ich lief anfangs mit 6 km/h 20 Min., dann 5 Minuten gehen, dann wieder 6 km/h., 20 Min. Später 45 Minuten 6 km/h.
Inzwischen liege ich bei 60 Minuten 9 km/h. Ich habe auch schon mal 90 Minuten gemacht - da bin ich am Film hängen geblieben. Mein Laufband ist auf den Fernseher ausgerichtet.
12.11.2009 - 90,1 kg
Meine Ernährung ist immer noch nicht das, was man allgemein als normal bezeichnet. Ich fühle mich aber gut damit. Gestern gab es morgens meine Joghurt/Hüttenkäse/Müsli Mischung, Mittags Sauerkraut un ein Putenschnitzel, Nachmittags Mohrrüben und einen Apfel und abends waren wir mit Freunden Essen: Salat, Schnitzel, Kokos Suppe und geklauter Schweinebraten von der Frau, aber nur 2 Gabeln.
Inzwischen esse ich gelegentlich Sushi, sogar mit Stäbchen. Ich habe mich an die Asiatische Methode gewöhnt. Zur Erklärung. Wir haben GreenCard Inder als Arbeitskollegen meiner Frau kennen gelernt. Die haben uns unter anderem erzählt, das in Indien keiner nach 16 Uhr mehr Reis isst, wenn er auf seine Figur achtet. 1 Milliarde Menschen können nicht irren. Ich habe das adaptiert und es bekommt mir sehr gut. Keine Kohlehydrate nach 16 Uhr.
Der Sport ist inzwischen auf Täglich gewechselt. Auch deshalb, weil ich ein schlaues Buch gelesen habe, in dem einige Wahrheiten so erklärt werden, ohne zu belehren, das man sich damit anfreunden kann.
Mein Lesetipp:
Fit Forever - 3 Säulen für Ihre Leistungsfähigkeit"."
Bewegung Ernährung Denken" (Taschenbuch)
von Michael Spitzbart (Autor)
Ich habe einiges aus dem Buch gelernt, auch wenn ich mit seiner Philosophie nicht immer einer Meinung bin. Wissentschaftlich und Medizinisch war es sehr aufschlußreich. Thema Mytochondrienbildung, die Fettverbrennungskraftwerke des Körpers. Und eben auch: Jeden Tag Sport planen, dann trifft es einen nicht so sehr, wenn es mal nicht klappt als wenn man immer Dienstags und Donnerstags Sport macht und das halt mal Feiertage, Geburtstag oder sonstige Dinge sind, welche einen vom Sport abhalten.
Schuhe: In der FitForFun und hier habe ich mehrmals gelesen, das man bei häufigem Laufen zwei Paar Schuhe von verschiedenen Herstellern haben sollte um den Restfehler auszugleichen. Ist zwar hart schon wieder 120 Euro auszugeben, aber was sein muss.. Wieder im Sport Scheck, sehr gute Beratung und Analyse, Nike BRS 1000. Obwohl mein normaler Gang nicht mehr nach innen knickt, so wie früher - beim Laufen tue ich das nach wie vor. Also wieder ein innen verstärkter Schuh. Ich wechsle jetzt jedes mal. Bisher keine Probleme.
Mein nächstes Ziel ist auf ca. 85 kg zu kommen. Dort will ich dann bleiben. In den 7 Jahren seit meinem Beginn habe ich viel Zuspruch bekommen, für den ich mich ausdrücklich bedanken will. Wenn sich jemand angesprochen fühlt und so was Ähnliches wie ich vor hat, kann er/sie mir gerne schrieiben. Offen oder als PN. Ich werde gerne Tipps und Anleitungen geben, wie es bei mir geklappt hat. Wenn ich einem helfen kann, sich so viel besser zu fühlen, wie ich jetzt, tue ich das gerne.
viele Grüße aus dem Landkreis Dachau bei München
inzwischen 75 kg leichter als am Anfang
Oliver