Auto fahren – Bus fahren – Laufen –Sterben – heim schleichen- weiter sterben
So ungefähr war mein Tag heute.
Es hat nicht sollen sein heute. Schon gestern hatte meien Tochter nach dem Sport entzündete Mandeln, Halsweh, Schnupfen usw. War ständig müde und verbreitete munter ihr Bazillentierchen bei uns. Allerdings bemerkte ich gestern noch nichts davon. Aber die Nacht schlief ich schlecht und heute Morgen wurde ich schon mit Kopfweh wach. Aber ansonsten war alles ok, müde klar aber doch relativ fit. Die letzten Wochen verliefen, was das Training angeht optimal, ich kannte die Strecke und hoffte doch wenigstens unter 1:40 laufen zu können. Nur das Wetter war nun halt mal fies, da sonnig und heiß.
Jedenfalls kam ich superpünktlich dort an, holte meine Startunterlagen und wartete auf den Bus. Man befindet sich nämlich am Ziel und wird zurück zum Hm-Start gefahren. Nun war das mein dritter Start beim Hunsrückmarathon und deshalb beeilte ich mich einen Sitzplatz zu bekommen, denn die Fahrt dorthin war lang und im Stehen wurde man ganz schön hin – und – hergeschüttelt. Heute saß ich jedenfalls, konnte noch ein bisschen die Augen zu machen und kam dann beim HM –Start relativ ausgeruht an.
Ich lief mich nur ganz kurz ein (fauler Hund halt) und schon da wusste ich, heute wird s hart. Die Sonne brannte auf den Schädel, trotz dass ich schon vor dem Start mein Kappy mit Wasser überschüttet hatte. Puls vorm Star schon über 110. Wie bitte ?

Ich schaute noch mal- tatsächlich. Normalerweise hätten da schon alle Lampen in meinem Sicherungskasten angehen müssen, denn das war bestimmt nicht normal. Allerdings hörte ich heute nicht auf meinen Körper, jedenfalls nicht richtig.
Der Startschuss fiel, ich lief los versuchet gleich meine Pace von 4:40/km zu erreichen was mir aber nicht gelang. Zu viele Läufer und die Strecke ist die ersten 5km wirklich mies. Um Häuserblocks rum, 90 Grad Kurve- abwärts- 90 Grad Kurve –steil aufwärts- links rum -rechts rum usw. Ich glaube ich habe ganz Kastellaun durchlaufen. So schwer wie dieses Mal war es in den vergangenen Jahren nicht für mich. Mein Puls stieg auf über 165, ein Wert den ich normalerweise erst gegen Ende das Marathon erreiche. Viele zogen an mir vorbei- Gegenwehr sinnlos.
Die 4:40/km erreichte ich nur einmal, ansonsten knapp unter 5 oder über 5Min/km. Indiskutabel für einen Hm. Nach ca. 5km kamen wir endlich aus dem Ort raus- mein Puls war nun über 170 und sollte auch nicht mehr darunter fallen. Noch eine Steigung bei km 7 und es wurde flach und ab km 8 ging es herrlich leicht bergab. Eigentlich bis km 20, eigentlich ideal um Tempo zu machen. Und tatsächlich konnte ich zwischen km 10 und 14 teilweise unter 4:30/km laufen. Dann war Sense! Puls mittlerweile über 175! Die Beine- schwer wie Blei. Der Kopf –Matschbirne hoch³ . Aber ich war noch einigermaßen optimistisch, hatte ich doch wieder viele Läufer überholt. Nun war aber der Akku leer - und wie. Zum ersten Mal seit langer Zeit wollte ich aufgegeben, aber irgendetwas in mir wollte nicht nachgeben. Noch nie habe ich einen Wettkampf aufgegeben. Und heute sollte es soweit sein?
Nein, weiter laufen oder besser schleichen. Richtig blödes Machogehabe eben ! Pace zwischen 4:53 und 5:20.
Es war eine einzige Quälerei. Die Zielzeit wurde immer weiter nach hinten verschoben, ich schaute schon gar nicht mehr auf meinen FR. Warum auch. Ich wollte nur noch ankomme. Dann der letzte Anstieg. Nach einer Rechtskurve ging es hoch. Wie eine Wand war der Hügel vor mir. Ich schlappte, zog nur noch ein Bein vor das andere und kam oben an. Es ging wieder abwärts, aber nur kurz. Der letzte Anstieg und man konnte das Ziel sehen. Ich beschleunigte noch ein bisschen, überholte ca. 200m vor dem Ziel ein Läufer, schaute zurück- und verdammt noch mal, da setzte einer zum Spurt an! So nicht! Noch mehr Tempo nun mit Sicherheit unter 4min/km. Woher dir Kraft kam? Keine Ahnung. Noch ein Blick zurück- auch er beschleunigte wollte vorbei ziehen. Noch ca. 30m. Ich gab wirklich alles. Die Zuschauer applaudierten, wir rannten wie die Blöden, sahen bestimmt zum Fürchten aus, und überquerten die Ziellinie gemeinsam. Die Auswertung ergab, dass ich die letzten 200m in einem Schnitt von unter 3:40 lief am Schluss bestimmt unter 3:15.
Kurz hinterm Ziel, musste ich mich setzen. Kein Meter war mehr drin. Mein “Widersacher“ kam zu mir. Wir beglückwünschten uns beide, denn das hatte richtig Spaß gemacht, trotz der Anstrengung und Puls von 188! Das ist glaube ich neuer Rekord bei mir. Man versucht zwar zu gewinnen aber, und das gefällt mir beim Laufen, man kämpft nicht gegen einander sondern miteinander.
Zeit ? Irgendetwas um 1:44, ich habe im Ziel die Uhr nicht abgedrückt. Jedenfalls so langsam wie schon seit langem nicht mehr.
Ich war so fertig, konnte nicht aufstehen. Getränk holen? Unmöglich dazu hätte ich ja gehen müssen!
Nach ca. 10 Minuten kämpfte ich mich hoch, trank einen halben Becher Schorle, nahm einen Becher Wasser, ging zum Auto, das direkt an der Halle parkte, goss mir das Wasser über den Kopf, „wusch“ mich, trocknete mich ab. Zum Duschen hatte ich keine Kraft mehr. Diese waren im Schwimmbad und ich wusste aus Erfahrung, dass darin mindestens 200 Läufer waren und über 35°C.
Nach weiteren 10 Minuten fuhr ich heim. Ich musste mich absolut auf die Strasse konzentrieren, krachte fast in einen Käfer auf der Autobahn rein (der Käfer max. 80km/h ich 170km/h), musste eine Pause machen um nicht weg zu nicken und kam nach 1:25 zu Hause an.
Alisha ist nun richtig krank, Pia ebenfalls angeschlagen und mein Kopf war fast am Platzen. Dazu rumort der Bauch und die Beine und Arme sind, glaube ich, ihrer Muskeln beraubt.
Der Rest das Tages, schlief ich, schleichte rum, nahm Kopfwehtabletten (die Birne glüht), leckte meine Wunden und schrieb den Bericht. Wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, ist nun mein Ziel für den Pfälzerwaldmarathon in 2 Wochen eigentlich nur noch gut ankommen. Zeit ist egal. Im Moment kann ich mir das eigentlich nicht vorstellen, obwohl ich in den letzten Wochen gut trainierte, lange Läufe über 35km absolvierte und auch die Tempoläufe wirklich gut waren. Aber - noch ist der Körper der Chef und der wollte (konnte) heute einfach nicht. Ich hoffe nur, dass der Virus in mir nicht ganz ausbricht.
Fazit: Man kann noch so gut trainieren, wenn der Körper nicht will- geht nichts.