Hallo, ich falle zwar nicht durch eine hohe Quantitaet meiner Beitraege auf, aber vielleicht liest ja trotzdem jemand meinen Kandelbericht vom HM heute Vormittag. Nach jedem Lauf schreibe ich fuer mich einen Kurzbericht, diesmal fuer alle, weil es ein Meilenstein war (warum, versteht man, wenn man meinen Vorstellungsthread von 2007 liest). Und los:
"Es war eine rundum gelungene HM-Premiere bei fast optimalem Wetter und auf einer tollen Strecke. Aber erstmal die Vorgeschichte. Um am Sonntag nicht allzu frueh aufstehen zu muessen, bin ich am Samstag Abend zu meinen Eltern gefahren und habe noch etwas "die Fuesse hochgelegt". Sonntags bin ich um 7:15 aufgestanden, war um 7:50 mit dem Fruehstueck fertig (die Bananen bis zum Start zaehlen ja nicht belastend) und habe mich um 8:10 aufs Rad geschwungen, um den Zug nach Kandel um 8:24 zu nehmen. Der kam sogar puenktlich und ebenfalls nach Zeitplan war ich auf dem Laufgelaende. Im Zug habe ich naemlich einen jungen Mann angesprochen, der zufaellig am Stadion vorbei zur Arbeit fahren musste, und so musste ich nicht suchen.
Dass dies die groesste Laufveranstaltung meiner jungen Laeuferkarriere sein wuerde, war von weitem zu sehen und zu hoeren. Vor dem Start wurde dann auch durchgesagt, dass es deutlich ueber 2000 Leute seien, die heute um 10 Uhr starten wuerden. Den Rucksack mit Klamotten habe ich in den Umkleideraeumen untergebracht, das
Fahrrad in guter Gesellschaft direkt vor der Mehrzweckhalle und meine Wertsachen beim Infopoint, wo sie bis nach dem Lauf verwahrt wurden. Das T-Shirt habe ich mir noch nicht geholt, schliesslich musste ich die Distanz erst einmal erfolgreich bewaeltigen.
Punkt 10 Uhr ging's los. Nach dem Startsignal musste ich erstmal 1 Minute warten, ehe ich den ersten Schritt gehen konnte, weil ich mich in Block 4 einsortiert hatte (HM-Ankunft nach 1:46-1:59) und ueber 800 Laeufer vor mir hatte. Dieser Block 4 war eine optimistische Wahl, weil ich ihn nur ohne Knieprobleme wuerde rechtfertigen koennen. Meine Wunschzeit hatte ich auf 1:50 gesetzt, laut Streckenrechner (Daten aus Erfahrungswerten) lag meine theoretisch erreichbare Debut-Zeit bei 1:40:30. Da ich mich selbst in der Vorbereitungszeit etwas unter Druck gesetzt hatte, war ich dann auch vor dem Start nervoes, was sich aber schnell gelegt hat. Nach 3-4 Dorf- und Landstrassenkilometern waren wir dann im Bienwald, der dem Lauf seinen Namen gibt. Die Aussicht war sehr schoen mit Baechen, Schatten, Sonne, Wiesen.
Zur diesem Zeitpunkt hatte ich mir schon 3 Referenzlaeufer ausgesucht, die ein scheinbar gleichmaessiges Tempo liefen, das ich mitgehen konnte. Trotzdem bin ich mein eigenes Tempo gelaufen, weil ich wusste, dass ich mindestens einen der drei wiedersehen wuerde und weil ich mein Tempo fuer die ersten 10km finden wollte.
Nach 5 km wurde die Zwischenzeit durchgesagt, die mit 26:41 ganz okay war. Man braucht eigentlich gar keine Uhr, sondern nur sein Koerpergefuehl und etwas Erfahrung, um das richtige Tempo zu laufen. Ausserdem gibt es genuegend Laeufer, die sich nur ueber Tempodurschnitt, Zeit und Puls unterhalten, sodass man auch dadurch sein Tempo kontrollieren kann. Nach den Doerfern hatte ich mein Tempo gefunden und die zweiten 5 km etwas schneller hinter mich gebracht. Die Zeitdurchsage bei Km 10 war 51:10.
Zeit fuer eine Kurzinventur und Kurzrechnung: die Knie waren noch fit, und auch sonst habe ich mich noch frisch gefuehlt. Wenn ich das Tempo halten koennte, wuerde ich meine Wunschzeit locker schaffen. Die 8-er Atmung wollte ich so lange wie moeglich beibehalten, um nicht zu schnell zu werden. Bei Km 10,5 wollte ich dann etwas essen und trinken. Einen halben Becher Getraenk hatte ich ruckzuck unten, dann habe ich eine Apfelschnitze genommen, weil ich die Bananen nicht gleich gesehen habe und keine Zeit verlieren wollte. Das Apfelstueck habe ich dann in Mikrobissen auf 2 km verteilt gegessen. Der Magen hat keine Probleme gemeldet, und ich konnte im gleichen Tempo weiterlaufen. Jetzt waren wir bei Km 12 und sahen die Fuehrenden auf der Gegenseite auf uns zu kommen. Eigentlich nur "den" Fuehrenden, weil nach dem Kenianer lange nichts kam. Damit die lange Gerade trotz interessantem Gegenverkehr ("Vielleicht sehe ich einige bekannte Gesichter?") nicht zu eintoenig wurde, kam dann auch bald eine Kehrtwende, an der wir die mutigen Marathonis verliessen. Beim naechsten Verpflegungsstand gabs wieder einen halben Becher und 2 Stuecke Banane, die ich genauso langsam gegessen habe wie den Apfel. Jetzt habe ich es mir schon 7 km lang verkniffen, zu pinkeln, es war noch nicht allzu dringend, aber vor der leichten Tempoverschaerfung gegen Km 17 wollte ich unbedingt an den Rand, um mich ganz auf das Ende zu konzentrieren. Als es soweit war, musste ich kaum noch und bin ohne Pinkeln ausgekommen. Jetzt waren die Muskeln allerdings schon ziemlich muede, und viel schneller bin ich beim Umstellen auf 6-er Atmung nicht geworden, wenn ueberhaupt. Aber etwas wohl doch, weil ich nach und nach einen meiner Referenzlaeufer eingeholt habe, den ich bei den Bananen etwas ziehen lassen musste. Er hat mich dann auch ueber das schwierige Stueck zwischen km 19 und 20,5 gezogen, wo wir einige Minuten gleichauf waren. Den zweiten Referenzlaeufer haben wir hinter uns gelassen, weil er das Rennen zu schnell angegangen war, der dritte war 100m vor uns und uneinholbar mit mueden Beinen. Auch meinen Begleiter musste ich einen Kilometer vor dem Ziel ziehen lassen, konnte aber auf der Zielgeraden noch etwas beschleunigen. Da ich seit Km 10 keine genaue Zwischenzeit mehr hatte, war ich supergluecklich, als ich mit 1:46:58 brutto durchs Zieltor gelaufen bin. Wie sich spaeter herausgestellt hat, habe ich mich auf der ganzen Zielgeraden verguckt und eine Minute zuviel abgelesen. So konnte ich nicht ahnen, dass ich netto unter 1:45 geschafft hatte. Jetzt war jeder Schritt unangenehm, aber ich habe erst etwas getrunken und gegessen, etwas gedehnt und mich dann hingesetzt. Als es dann in den verschwitzten Klamotten zu kuehl wurde, bin ich schnell in die Mehrzweckhalle zum Duschen gegangen. Chipabgeben, Urkunde drucken lassen und TShirt abholen ging dann ziemlich flott. Um 13 Uhr bin ich dann wieder zum Zielbereich, um ein paar schnelle Marathonis zu sehen. Ich habe kurz mit Christian Alles geredet, der beim bekannten Laufreport-Berichterstatter gestanden war. Die Siegerehrung um 13:30 habe ich mir noch angeschaut, dann bin ich zum Bahnhof und habe nur 5 min auf den Zug Richtung Neustadt warten muessen. Dass er nicht in Edenkoben haelt, ist mir in Kandel nicht in den Sinn gekommen. Also musste ich bis Neustadt durchfahren und hatte dort die Wahl, 26 min auf den Zug zu warten oder die 8 km heimzuradeln. Da ich rechtzeitig daheim sein wollte, weil Oma und Opa zum Kaffee und Kuchen eingeladen waren, bin ich also geradelt. Es wurde so ein Duathlon, was fuer die Beine bestimmt gar nicht so schlecht war. Das sollte aber nicht die letzte Radstrecke des Tages bleiben, weil ich Abends mit dem Rad zum Bahnhof Edenkoben gefahren bin und auf dem Heimweg Annette und Stefan in Haßloch besucht habe, die auch 5 min Radweg vom Bahnhof entfernt wohnen. Mit den 3 Km in Mannheim vom Bahnhof zu mir waren es dann auch bestimmt 17 Tageskilometer.
Ob der erste auch mein letzter Halbmarathon bleibt, weiss ich noch nicht. Jedenfalls habe ich mein Ziel erreicht, einen HM durchzulaufen!!"
30. Bienwaldhalbmarathon Kandel 9.3.2008
Lauf 21,1km
Platz M Platz Platz AK StartNr Name AK Zeit brutto/netto
497/965 553/1272 45/81 1792 Christian Rimpau M30 01:45:58 01:44:24