Die Strecke
Sie beginnt direkt an der Einfahrt zur Furnace Creek Ranch und verläuft dann auf der Straße Richtung Scotty’s Castle bis zum Wendepunkt an der Halbmarathonmarke. Die Markierungen zeigen die Meilen an, nur die 10 km und die Halbmarathonmarke sind in KM gehalten. Will man sich als europäischer Läufer orientieren, muss man eben die Pace für Meilen umrechnen. Die erste Meile ist abschüssig, danach kommt ein giftiger Anstieg über 2 Meilen, es bleibt wellig mit leicht fallendem Profil für weitere 6 Meilen, um dann bis zum Wendepunkt wieder anzusteigen. Vom Wendepunkt geht es dann eben spiegelbildlich wieder zurück. Insgesamt sind 216 Höhenme-ter zu überwinden. Ziel ist ebenfalls bei der Furnace Creek Ranch.
Die Bedingungen:
Der Lauf startet am ersten Dezember Samstag, morgens um 8 Uhr. Death Valley ist eine Wüste, wie der Name sagt, keine sonderlich freundliche. Aber im Dezember sind die Bedingungen längst nicht so hart wie beim be-rühmten „Badwater Ultra“, der im Juli im Death Valley ausgetragen wird. Dennoch: es ist ein ausgeprägter Lauf. Beim Start herrschen – 2 Grad, bei meinem Zieleinlauf 31° plus, im Schatten. Keine Wolken, Sonne pur, kein Wind, Luftfeuchte ca. 5%. Wüste eben. Der Veranstalter rät ausdrücklich, sich für den Lauf ausreichend mit Wasser zu versorgen, denn er selbst stellt nur die von der AIMS vorgeschriebenen Verpflegungsstellen zur Ver-fügung: etwa alle 3 Meilen eine. Dort gibt es dann Wasser, Isogetränk und Cola in zu kleinen und zu vollen Plas-tikbechern. Support auf der Strecke ist nicht erlaubt, wird aber offensichtlich nicht streng kontrolliert. Die Be-dingungen erfordern eine gewisse Improvisation bei den Laufklamotten: Zwiebelprinzip ist angesagt mit Hand-schuhen, Stulpen und einer ärmellosen Weste für die ersten 30 Minuten, danach ist es heiß genug. Wie viele an-dere bei diesem Lauf hatte ich unterwegs den Eindruck, als würde ich überhaupt nicht schwitzen. Nur: der Schweiß trocknete so schnell, dass es zu einer Schweißschicht nicht kommen konnte. Stattdessen waren im Ziel alle Läufer mit einer Salzkruste überzogen. Nach dem Lauf gibt es für alle Läufer: Medaille, genügend zu trin-ken, Früchte und merchandising. Der Veranstalter stellt eigene ChampionChips, man kann aber seinen eigenen registrieren lassen.
Der Lauf:
Am Start stehen rund 700 Läufer (ich frage mich dabei, wo die alle übernachtet haben). Wie sich später heraus-stellen sollte, jede Menge Novizen. Typisch amerikanisch werden zuerst die Geburtstagskinder und Jubilare aus-gerufen, dann die Nationalhymne gesungen. Der Veranstalter ist vermutlich ein Althippie, was ihn aber nicht da-von abhält mit einer 45er den Startschuss zu geben. Die erste Meile ist dann tatsächlich wie eine Stampede und ich frage mich schon erschreckt, ob das alles sub 3h Läufer sind, so wie die abgehen. So flitzt dann auch eine Läuferin an mir vorbei. Neugierig geworden frage ich sie, ob sie eine Zeit unter 3 Stunden anstrebe. Nein, eine 3:30 sei ihr Ziel und dies sei ihr erster Marathon überhaupt (Schluck!). Wir verständigen uns, und sie läuft dann neben mir her, in deutlich lässigerem Tempo. Eine Musikstudentin mit Spezialisierung Gesang und chinesischen Wurzeln, so erfahre ich. Unterwegs werden wir munter von Dutzenden überholt, sogar an dem giftigen Anstieg. Bald aber regulieren sich die Verhältnisse, und wir sammeln die allermeisten wieder ein. Meine Frau wartet um Meile 7 herum. Dort werfe ich alles, was an Klamotten überflüssig geworden ist, ab. Weiter geht’s zum Wende-punkt. Meine Novizin sieht schon etwas angeknabbert aus, als wie zur Wendemarke kommen. Schon eine Meile weiter, nach einigen Dutzend überholter lässt sich mit einem klaren Keuchen abreißen. Nach einem „take care“ laufe ich weiter und versuche die pace zu halten. Der Fehler, den ich mache ist, viel zu wenig zu trinken. Dabei trinke ich schon mindestens das Doppelte dessen, was ich so üblich zu mir nehme. Es gibt ja auch Kapazitäts-grenzen. Unterwegs schließe ich zu einem anderen Läufer auf und bilde mit ihm ein Tandem, um die letzten 11 Meilen zu laufen. Das passt dann auch bis zu Meile 23, dort ist der Killer: ein verhältnismäßig harmloser Anstieg mit Sonne von vorne und ich lasse abreißen. Zwar kann ich dann wieder näher rankommen, aber ganz reicht es nicht mehr. Tatsächlich fühle ich mich auf den letzten 2 Meilen wie ausgetrocknet. Mit ein Grund für meine Müdigkeit könnte auch sein, dass ich knapp 4 Wochen vorher in Dublin einen Marathon voll gelaufen war (es sollten für dieses Jahr dann insgesamt 5 sein). Die Regeneration war einfach noch nicht richtig abgeschlossen.
Mein Ergebnis:
Mit einer 3:31:57 bin ich Gesamt Zwanzigster geworden, bei der M 50 reichte es nur für die Holzmedaille: ein vierter Platz in einem starken Feld von Läufern der M 50 Altersgruppe. Die Zeit war nur knapp 2 Minuten über meiner Wunschzeit, so konnte ich also in Anbetracht der Gesamtsituation nicht allzu sehr meckern. Die Sieger-zeit: 2:57:21. Von den gestarteten 700 Läufern sind gerade 358 im Ziel angekommen. Die Novizin läuft dann auch ein, mit einer beeindruckenden 3:49.
Die Organisation:
Anflug mit Condor direkt von Frankfurt nach Las Vegas. Von dort mit dem Auto in 2 ½ Stunden zur Furnace Creek Ranch im Death Valley(der kürzeste Weg. Von Los Angeles dauert es mindestens 2 Stunden länger). Man hat ziemlich genau zwei Übernachtungsmöglichkeiten: die Ranch für ca. 95-135 US$ das Zimmer (US Motel-standard) oder das Inn für 225-450 US$ die Person im 4-Sterns Hotel. Ausgebucht waren beide. Danach noch 4 Tage relaxen in Las Vegas unter Mitnahme einiger Shows.
Grüße bleisocke