...klingt wie ein Umberto Eco-Titel

So, nachdem ich jetzt doch schon fast 3 Monate am Ball mit der Lauferei bin, mach ich auch ein Tagebuch zwecks Langzeitmotivation auf

Erst mal die bisherigen groben Zwischenergebnisse aus meinem persönlichen Lauftagebuch, das ich seit Juni führe:
Juni
km.......zeit......zeit/km
81,3.....564min....6min56sek
Juli
km.......zeit......zeit/km
116,1....711 min...6min7sek
Und der Roman der Laufgeschichte (eigentlich wollte ich mich ja kurz fassen) falls sich das wer antun will

Es war einmal:
Laufen für sich als Religion zu bezeichnen ist natürlich ein ganz klein wenig klischeebeladen und esoterisch. Aber auf mich trifft es in so fern zu, dass ich offenbar immer erst dann wieder dazu finde, wenn's mir schlecht geht, was Religionen ja auch nachgesagt wird

Meine ersten Lauferfahrungen machte ich vor ca. 7 Jahren (mein Gott, so lange schon) auf ärztlichen Rat hin. Ich litt damals an Einschlafstörungen, Herzstolpern, Panikattacken, bedingt vermutlich durch Stress und Studiums-Frust (Und die zwei Liter Kaffee pro Tag...?). Mein Hausarzt führte verschiedene EKGs durch und bescheinigte mir und meinem Herz Gesundheit – und die Kondition eines Rentners. Ich war 23 Jahre alt, Raucher, Gelegenheitstrinker und hatte seit meinem 14 Lebensjahr keinen Sport mehr gemacht. Da ich Ballsportarten verabscheue und mir überhaupt Vereine und Gruppendynamik suspekt waren, entschied ich mich für's Laufen.
In halb zerfallenen Basketball-Schuhen und Werbegeschenk-Trainingsanzug absolvierte ich meine ersten "Trainingseinheiten". Es war ein verregneter Herbst damals, und darum war ich dankbar: So bin ich nämlich unterwegs kaum wem begegnet. Aber immerhin bin ich es richtig angegangen. Meine erste Strecke war 3 km, halb gewandert, halb gejoggt. Nach einigen Wochen hab ich mir dann sogar echte Laufschuhe geleistet - und für den beginnenden Winter regelrecht professionelle Bekleidung bei Tschibo besorgt. Und irgendwie hatte ich dann plötzlich Spaß gefunden und bemerkte mit Faszination, wie die Kondition von Woche zu Woche besser wurde. Nach einem guten halben Jahr konnte ich 10km am Stück laufen - ohne Beschwerden jedweder Art. Mittlerweile waren alle gesundheitlichen Sorgen weg, ich war selbstbewusster, konnte gut schlafen und hatte das Rauchen stark eingeschränkt. Außerdem lenkte ich mein Leben in eine neue Bahn, weg von der BWL, hin zum Medieninformatiker.
Da ich vor sehr langen Einheiten aber immer noch einen großen Respekt hatte, weil ich ab einem gewissen Erschöpfungsgrad nach wie vor zum Herzstolpern neige, schloss ich mich zwei Kollegen an, die Sonntags ihre 30km Touren machten, bei denen ich die ersten 20 mit lief und dann ausstieg. Zu der Zeit feierte ich auch meine größten "Erfolge", ein HM in 1h45min und einen 10km-Lauf in 43min 15sek.
Während meiner Ausbildung fingen dann - bedingt durch schlechte Sitzposition an einem völlig unergonomischen Arbeitsplatz - die Probleme mit dem Kreuzbein und den Iliosakralgelenken an. Auf Rat eines unfähigen Orthopäden stellte ich den Sport ein – im Nachhinein vermutlich der größte denkbare Fehler. Seit dem ging es immer mehr bergab mit der Lauferei. Zwar fing ich immer mal wieder an, doch hielt es nicht mit Regelmäßigkeit durch. Zudem kam ein Hund dazu, den sich eigentlich meine Eltern kauften, aber der moralisch eher meiner wurde

Meine wenige freie Zeit verbrachte ich lieber mit endlosen Spaziergängen mit etlichen Spielunterbrechungen mit dem Hund, als mit Training, dass für ihn eher langweilig war. Ein junger Hund läuft halt nicht gern stundenlang öde vor sich hin. Eine Zeit lang schwamm ich regelmäßig, doch seit Mitte 2006 hatte ich dann durch einen zwar schönen aber überstundenlastigen Arbeitsplatz fast jegliche sportliche Aktivität aufgegeben.
Seit April diesen Jahres kamen dann wieder gesundheitliche Sorgen zurück. Permanenter teils starker Schwindel und wieder Herzstolpern, sowie daraus ausgelöste Panikattacken und Schlafstörungen. Alle ärztlichen Untersuchungen, vom Allgemeinarzt über die Radiologie, Neurologie und Kardiologie brachten keine Diagnose. "Vielleicht eine Vireninfektion", "Vielleicht die Halswirbelsäule". Also versuchte ich es mal wieder mit dem, was schon mal geholfen hatte - Sport und gesünder Leben, aber diesmal richtig. Und ein zweites Mal besann ich mich zurück aufs Laufen und ordnete meine Woche neu ein. Rauchen hab ich diesmal gleich ganz aufgegeben und auch Alkohol gibt's nur noch zu besonderen Anlässen. Außerdem achte ich zum ersten Mal in meinem Leben auf eine bewusste Ernährung. Alle Hobbys außer dem Hund mussten zurückstecken, meine Gesundheit war mir wichtiger. Und auch Pootchen (dem Hund) tut es mittlerweile denk ich ganz gut, wenn er seine Kondition etwas trainieren und locker vor sich hintraben kann, statt wie ein irrer dem Ball hinterher zu flitzen.
Und was soll ich sagen. Einbildung oder nicht, es half wieder. Zur Zeit fühl ich mich einwandfrei. Die Ziele sind erst mal, wieder in einen Zustand zu kommen, in dem an ernsthafte Trainingspläne überhaupt zu denken ist. Und die in der Signatur aufgeführten

Und dann mal schauen. So richtig ambitioniert wie viele hier werd ich wohl nie werden, aber ein Marathon sollte früher oder später auch schon mal drin sein, egal mit welcher Endzeit.