...dieses Thema scheint ja über Laufenaktuell hinaus, große Kreise gezogen zu haben. Trotzdem wähle ich den etwas provokanten Titel als Aufhänger für eine etwas ausführlichere Vorstellung.
Als Jugendlicher bis Anfang Zwanzig war ich als Mittelstreckenläufer "tätig", daher bin ich auch bisher nie ernsthaft auf den Gedanken gekommen, mich an die richtig langen Laufstrecken zu wagen. Nach einigen Umbrüchen in meinem Leben und im Verein, sah ich keine Zukunft mehr im Leistungssport und als "Mitläufer" wollte ich mich nicht betätigen.
Während des Studiums vertiefte ich dann mein zweites Ausdauerhobby, das Radfahren, in Form von Alltagsfahrten in die Uni und v.a. beim Mountainbiken. Ab und an kam auch eine RR-Ausfahrt dazu. Erstaunlich, als Leichtathlet konnte ich meine ganzen Ausrüstung in eine schmale Sporttasche packen, inklusive Nägelsortiment und Werkzeug für die Spikes. Nun benötigte ich schon einen ganzen Kellerraum.
Wie üblich kam dann mit dem Beruf der sportliche Absturz und damit auch zunehmend die Unzufriedenheit - über das Gewicht, über den allgemeinsportlichen Zustand und die Ausgeglichenheit.
Spätestens mit beginnender Midlifecrisis kam dann die Überlegung, welche sportliche Betätigung kann ich im Alltag am besten integrieren. Laufen benötigt einfach weniger Zeit und ist wetterunabhängiger als Radfahren. Am Anfang stand Joggen im Wohlfühlbereich, oft auch mit meiner Frau. Mit jedem Kind fiel dann zuerst meine Laufpartnerin weg und zunehmend die Motivation "einfach nur so zu joggen", ich vertiefte mich in Trainingstheorie und -pläne, entsprechende Technik kam hinzu und der von den Laufschuhen beanspruchte Platz kam dem der Fahrräder immer näher. Erste Wettkämpfe ergaben zuerst ein ernüchterndes Bild, man war ich früher so viel schneller, fitter - oder einfach nur jünger? Mit Verfeinerung des Trainings ließ sich das dann aber verbessern.
Allerdings zeigte sich zunehmend, dass mein an mich gestellter Anspruch sich immer weniger mit Familie, Beruf und alternativen Freizeitbetätigungen vereinbaren ließ. Dazu kamen auch immer mehr Zipperlein. Inzwischen ist die Begeisterung für Wettkämpfe wieder auf ein vernünftiges Maß abgekühlt, mich erfasst nicht mehr gleich die Panik, wenn mal ein Infekt dazwischen kommt. Und mit dem Umzug der Firma bot sich ein Hin- und Zurücklaufen als Grundlage fürs Lauftraining an. Daher würde ich mich irgendwo zwischen Freizeitläufer und engagiertem Läufer einordnen.
Themen wie "Marathon in 5 h ist kein Marathon" sind daher keine, die mich bewegen, um somit den Kreis zu schließen.
Jörg