nachdem ich gestern meinen schönsten Trainingslauf hingelegt habe , kann ich nicht mehr anders: ich muß darüber schreiben.
Es hatte geschneit und ich kam nach Hause zurück von meiner familie aus dem Schwarzwald. Ich war zwei Tagen nicht mehr gelaufen und an Heiligabend ein wenig kränklich gewesen.Ich war also ein wenig skeptisch, was meine Form anging, außerdem war diese Witterung absolut Neuland für mich, um zu laufen.
Als ich vor die Tür trat, war meine Stadt eine andere, als ich sie kannte.Die Schneeschicht auf dem Kopfsteinpflaster noch ohne Spuren, das Wasser des Neckars in der Nähe meiner Wohnung normalerweise reißerischer, gurgelte leise in der unbewegten Winterluft. Ich fange meinen Lauf normalerweise außhalb der Fußgängerzone in einer Nebenstraße an. Mir sind bis ich meine Betriebstemperatur erreicht habe, Menschen lästig. Außerdem plagen mich die ersten 15 Minuten immer irgendwelche Zipperlein. Mein Gesamtrhytmus stimmt nicht, der Oberschenkel ist verhärtet oder mein Magen weiß noch nicht, daß gelaufen wird.Aber heute war alles anders.Es lief von Anfang an grandios.Ich begann wie immer zu schnell, aber die Atmung stimmte. Mein Tritt war ganz rund und wegen des Schnees seltsam lautlos,ich war wie ein Tier, das eine Fährte aufgenommen hatte.Sehr bald hatte ich die Stadt verlassen und lief vom Industriegebiet aus in die offene Landschaft auf einem Fahrradweg in Richtung K-furth.Hier war ich noch einsamer. Aber es war hell, ich sah die Schneeflocken vor mir wirbeln und einmal einen beleuchteten Regionalzug auf der nahegelegenen Gleisanlage. Von dem Lauf, der immer noch sehr stetig und mühelos war, war ich auch mit meinen Gedanken sehr zufrieden. Ich dachte mir:das ist es, das ist Laufen.Bei allem Respekt zu Trainings- und Wettkampfzeiten- das ist Laufen.Ich erinnerte mich daran wie Einige im Forum darüber diskutiert hatten, was für Pläne sie im Neuen Jahr haben, und ich dachte an meine eigenen und freute mich darüber, daß ich völlig zuversichtlich darin war, sie auch erfolgreich zu meistern.
Mittlerweile war ich bei Kilometer 8 angekommen, und noch immer hob ich unbekümmert meine Fersen.Ich beschleunigte mein Tempo ein wenig und dann so, wie ich es mir bei einem Wetkampf vorstellte und auch da hielt ich sehr lange meinen Pulsschlag im oberen Bereich konstant. Allerdings waren meine Schuhe jetzt komplett durchnäßt und auf meinem Kopf hatte sich ein vereistes Schneedach gebildet.Meine Phantasie ging immer mehr mit mir durch.
Ich dachte daran, wie in grauen Vorzeiten die Menschen sich um ihrer Existens willen laufend fortbewegt hatten. Und ich mußte an Bernd Heinrichs Erzählung denken , in der er von einem Indianer stamm erzählte , deren Krieger Hirsche und Rehe zu Fuß hetzten und trotz mangelnder Geschwindigkeit und guter Fährtenkunde mit Ausdauer zu Tode jagten.
Dann wiederum dachte ich, wie ich selbst vor noch nicht langer Zeit an die 10000 m Lauf als an etwas Utopisches gedacht hatte, und nur mit äußerster
Erschöpfung zu erreichen. Und jetzt kam ich manchmal von einem langen langsamen Lauf zurück und hatte mehr als 18 Km hinter mich gebracht, ohne daß ich überhaupt ermüdet war.
Auch in dieser Schneenacht kam ich mit vielen, stolzen Trainingskilometer im Gepäck nach Hause an.Aber das Schönste war die Poesie, während des Lufens gewesen. Innen und Außen.....
Danke für Eure Geduld
Grüßle Aljoscha