Hallo,
vielleicht ist Marburg ein schönes Städtchen Biene, der Lauf "Rund um die Steinmühle" findet auf einem flachen 10km-Rundkurs an der Lahn statt, beginnend in Marburg-Cappel; das ist in Marburg-Süd, von Marburg sieht man also nix.

Mein Navi sagt bis Marburg brauche ich 2h, also sollten 1,5h reichen. Um 10:00 Uhr startet der Lauf, um kurz nach 7:00 Uhr fahre ich los, um 8:30 Uhr bin ich da. Ich werde mit einem tollen Parkplatz, reichlich Zeit und netten Gesprächen belohnt. Noch besser ist, daß es nach gefühlt hundert Tagen Dauerregen trocken ist, wenn auch mit 3°C nicht wirklich warm.
Vom Ursprung her handelt es sich beim diesem Lauf um einen 50km-Ultramarathon, in dessen Rahmen man auch einen reinen Marathon oder eben einen Halbmarathobn laufen kann. Wenn ich an die mir bevorstehende Hetzerei denke, bin ich fast in Versuchung auf gemütliche 50km umzumelden.

Mein Plan ist einfach: ich will Bestzeit laufen. Die steht seit 2006 (!) bei 1:44:08 und das ist schon etwas traurig. Im letzten Jahr bin ich zweimal so gerade unter 1:45 geblieben, davor das Jahr nicht einmal das. Aber Tempohärte und höhere Grundschnelligkeit sollte mir das bisherige Training doch wohl gebracht haben. Eigentlich müßte ich sogar die 1:40h knacken können, das wäre ein Schnitt von 4:44min/km.
Die Strecke für den HM ist etwas gewöhnungsbedürftig, man läuft die 10km-Runde zweimal, geht dann auf die 3. Runde, auf der dann ein Wendepunkt sein soll. Ich nutze das Warmlaufen, um mir die ersten 1,5km der Strecke mal anzusehen, finde die Wendepunktschilder und das erste km-Schild, alles fein.
Die Zeitmessung erfolgt mit in der Startnummer integriertem Bibchip und kurz vor 10:00 Uhr stellt sich alles gemütlich hinter den Startbogen. Dann geht es los. Da ich bei dem nicht sehr großen Feld relativ weit vorne stehe, kann ich von Anfang an fast ungestört mein Tempo aufnehmen. Schnell bin ich an den Wendepunktschildern vorbei, Linkskurve, und der erste Kilometer ist mit 4:43 abgehakt, Maßarbeit. Über Feldwege geht es nun Richtung Marburg, die Strecke ist unspektakulär. Nach etwas 4,5 km ist Marburg-Süd erreicht und schon geht es zurück Richtung Cappel, diesmal direkt an der Lahn entlang, der für mich schönste Teil der Strecke.
Meine Km-Abschnitte schwanken zwischen 4:38 und 4:45min/km, gelegentlich geht es doch mal kurz eine Brücke rauf bzw. runter. Alles noch im grünen Bereich. Nach einem kleinen Wendepunktstück kurz vor Kilometer 8 und einem kleinen Hügel kurz vor Kilometer 9 habe ich die erste Runde auch schon absolviert, in 47:02. Das mal zwei und noch 5,5min für die letzten 1,1km, das könnte prima passen.
Auf zur zweiten Runde.
Leider läuft es jetzt schon nicht mehr so leicht. Das Feld hat sich weit auseinandergezogen und ich muss schwer kämpfen, um ein hohes Tempo zu halten. Die km-Zeiten bewegen sich jetzt eher im Bereich 4:45 bis 4:50 min/km. Ich weiß, das wird eng werden und Enttäuschung macht sich bei mir breit. Kein gutes Gefühl bei km 14 eines HM.

Ich werde von zwei Ultras überholt, an die sich Carmen Hildebrand drangehängt hat. Die beiden Jungs unterhalten sich locker, Carmen ist konzentriert. Sie wird die 50km in 4:07 mit 10min Vorsprung auf die Zweitplatzierte gewinnen. Eine Weile kann ich mich an diesen Dreierblock dranhängen und meinen Km-Schnitt damit Richtung 4:45 drücken. Dann geht es nicht mehr und der Abstand vergrößert sich, damit auch verbunden mein Kampfgeist. Kilometer 18 und 19 bringe ich im kappen 5er-Schnitt hinter mich und einen geplanten Endspurt kontert mein Körper elegant mit heftigem Seitenstechen, toll.

Also locker zum zweiten mal durchs Ziel getrabt, vor dem mich kurz vorher noch die Frauensiegerin des HM auf ihren letzten Metern in 1:35:40 überspurtet.
Wende und auf in die dritte Runde, die am Wendepunkt fix zu Ende ist und schon geht es zum dritten mal auf ins Ziel. Diesmal endgültig.
1:41:23, PB endlich um 3min verbessert, aber so richtig Freude will sich nicht einstellen.