nach langem hin und her habe ich beschlossen, mich nun auch in die riege der schreiberlinge einzureihen. zugegebenermaßen war mir das führen eines tagebuchs, welches öffentlich einsehbar (ist das nicht schon ein wiederspruch in sich

) und von jederman kommentierbar ist immer etwas suspekt. es gab für mich nie einen grund, mein training ausführlich zu verschriftlichen, da ich nie davon ausgegangen bin, dass irgendjemand außer mir interessiert wäre, es zu lesen. auch egoistische gründe wie z.b. motivation oder bestätigung waren für mich nie von relevanz. nun tue ich es also doch und ich kann nicht sagen, wie lange ich dabei bleiben werde, deshalb plane ich zunächst, meine irrelevanten beiträge nur bis zum winter an dieser stelle gesammelt zu speichern. man wird sehen, wie sich die dinge bis dahin entwickeln

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meine läuferische biographie geht bis in früheste kindertage zurück. ich lernte das laufen vergleichsweise ausgesprochen spät, vielleicht wollte ich mich als kleinkind noch etwas schonen, wohl ahnend, was da noch kommen wird

. später war ich dann ein vergleichsweise recht flinker grundschüler, was die aufmerksamkeit meiner sportlehrerin weckte. sie steckte mich damals in eine AG laufen. wenn ich mich recht erinnere, liefen wir damals ein oder zwei mal in der woche recht stupide ca. 30 min, ohne spezifisch zu trainieren. der spaß stand im vordergrund, zeiten spielten nicht die geringste rolle. es gab auch ein paar events und meine erste urkunde erhielt ich mit 6 jahren (1. platz bei einem crosslauf

). mit 8 jahren lief ich die 400m in 1:39 und 1000m in 4:41 (keine ahnung ob das gut oder schlecht ist, das sind jedenfalls die einzigen zeiten, die überliefert sind

). mit 9 jahren lief ich meinen ersten berlin mini-marathon (4,195 km) und brachte es anschließend insgesamt auf 3 teilnahmen. seit ich denken kann galt es für mich immer schon als selbstverständlichkeit, eines tages einen marathon zu laufen - warum weiß ich nicht. dies sollte jedoch erst viel später realisiert werden.
irgendwann vor der pubertät begann dann meine etwa 11 jahre andauernde laufpause, welche nur einmal kurz unterbrochen wurde. ich gab das laufen also bereits als kind wieder auf

. ich wuchs in einer rauhen gegend auf, geriet in ein schwieriges umfeld und hatte lange zeit mit sport überhaupt nichts zu tun, im gegenteil: ich pflegte lange lange zeit eine stark selbstzerstörerische und ausschweifende lebensweise, was bis heute durchschlägt. nach einer empfindlichen mentalen krise wachte ich einst im jahre 2006 mit 100kg auf der waage auf - ich hatte mich zu einem fettsack entwickelt und wusste, dass jetzt der zeitpunkt gekommen ist, an dem ich entscheiden musste, wie es weitergehen soll. ich legte eine crashdiät ein und begann mit einigermaßen erträglichem gewicht im januar 2007 wieder das laufen.
die läuferischen fortschritte setzten sehr schnell ein, so dass ich in der lage war, 9 monate später mein marathondebüt zu bestreiten. es sollte mein erster wettkampf nach dem wiedereinstieg werden. ich trainierte mit einem steffny-plan auf 3:30h und lief letztendlich sogar deutlich schneller ins ziel ein - eine notiz auf meiner to-do liste konnte also abgehakt werden

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natürlich war ich dem laufen mittlerweile verfallen und machte weiter - bis heute. ich möchte bis mitte dreißig noch ein oder zwei persönliche bestzeiten sammeln, bevor ich mich in den läuferischen ruhestand verabschiede und nur noch im wellnessbereich jogge (so jedenfalls die grobe planung

). ich werde mich bemühen, diesen unvollständigen abriss nach und nach mit anekdoten zu ergänzen.
der erste eintrag handelt gleich mal von meiner gestrigen tempoeinheit. ich lief letzten mittwoch einen wettkampf, der sehr enttäuschend verlief, da ich die dinge aus dem training nicht umsetzen konnte. es ist frustrierend, wenn man fleißig auf etwas hinarbeitet, was dann in einer wettkampfsituation sehr deutlich misslingt, auch wenn es verdammt warm war

. gemessen an meinen erwartungen habe ich versagt. da ich ende letzten jahres eine längere zwangspause einlegen musste, orientierte ich mich in den letzten monaten zum behutsamen wiedereinstieg im training auch wieder an steffny - der mann, der aus der sicht zahlreicher läufer erstaunlicherweise bei einigen trainingsspezifischen dingen die meinungsführerschaft errungen hat. natürlich war er ein schneller läufer aber seine trainingspläne haben mir noch nie geholfen, das letzte aus mir herauszuholen. seit letztem mittwoch steht fest, dass ich vorerst nie wieder mit dem steffny-kram arbeiten werde.
da ich in zwei wochen eventuell einen 10.000m wettkampf laufe und die temperaturen angenehm waren, wollte ich gestern wieder etwas härter trainieren, auch wenn das selbstvertrauen weggeblasen ist, mein ziel bei diesem anstehenden wk überhaupt zu erreichen. ich lief mich richtung meiner 400m bahn ein und wusste bis zur ersten runde nicht, was ich tun werde. es begann zu regnen, nach wenigen minuten war der schauer aber wieder vorbei. in der ersten schnellen runde entschied ich mich dann spontan für eine serie von 1k/2k/1k/2k mit jeweils 400m trabpause dazwischen. bei den 2ker abschnitten merkte ich sofort, was mir fehlte: die tempohärte. es bringt mir einfach mehr, wenn ich längere strecken als 1000m nah am wettkampftempo laufe. während ich lief, spulten im innenraum der bahn zeitgleich zwei kinder ihr radtraining ab - es sah wie intervalltraining aus

. ein mädchen fuhr auf einem viel zu großen rad - offensichtlich musste es das rad ihres größeren bruders auftragen

. der sie betreuende betagte trainer motivierte die kids am rand stehend lautstark mit den worten "KÄMPFEN" und "JETZT ALLES GEBEN" usw.

. ich tat einfach so, als wär ich gemeint und vereinnahmte seine worte als motivation für mich, insbesondere als die belastungsintensität des laufens immer schwerer zu ertragen war. ich sage euch, auch den ultraläufern: 5 runden können verdammt lang sein. meine sehnsucht nach der trabpause wuchs bereits immer nach ca. 600m ins unermessliche

. die letzten beiden schnellen runden waren dann ziemlich hart. beim auslaufen zog ich noch einen kurzen sprint an und merkte, dass die linke wade zu machte - ein zeichen, dass ich wohl noch nicht ganz ausregeneriert bin vom letzten mittwoch. aber wie formulierte einst ein deutscher lyriker so schön: „Der große Sport fängt da an, wo er längst aufgehört hat, gesund zu sein.“ (Bertolt Brecht 1898-1956))
13,61 km | 54:12 min | 3:59 min/km | 79% (94%)
darin 1k/2k/1k/2k mit jeweils 400m trabpause
3:18 min @ 84%
6:45 min @ 87%
3:18 min @ 87%
6:49 min @ 89%