Seit vielen Monaten lese ich hier und in ähnlichen Foren mit und habe eine ganze Reihe sehr hilfreicher Beiträge gefunden. Dabei hat mich aber auch der Dogmatismus in vielen Diskussionen zunehmend genervt. Hier werden ermüdend oft ABSOLUTE Wahrheiten verkündet und konträre Positionen dann als naiv oder selbstmörderisch diskreditiert.
Ein schönes Beispiel ist der Thread "Neue Schuhe zum Wettkampf oder nicht". Vorherrschende Meinung der Forumsprofis: Wahnsinn, unverantwortlich, Blasengarantie etc., und das wird gern auch schon prophlaktisch mit Vorwürfen für den Gedanken an sich garniert.
Leute: Es gibt keine absoluten Wahrheiten! Auch nicht beim Laufen. Meine Erfahrung: Mit den richtigen Schuhen direkt aus dem Karton kannst Du problemlos durchlaufen. Ob das nun vernünftig ist, mag diskutiert werden, aber es ist grundsätzlich möglich (übrigens auch nicht ungewöhnlich nach Aussage der Berater bei Brooks).
Und jetzt zu der Platzhirschaussage, die bei fast jeder Anfängerfrage nach der Erreichbarkeit hochgesteckter Ziele reflexartig hier auftaucht: "MAN kann einen HM oder Marathon NUR mit Trainingsplänen nicht unter (z.B. dreieinhalb Seiten Steffny) laufen..."
Mich wundert, dass manche Autoren es gerade noch schaffen, sich ein "man darf nicht..." zu verkneifen.
These: Man kann lange Wettkämpfe auch ohne systematische Vorbereitung in akzeptablen Zeiten bestreiten und ist hinterher nicht zwangsläufig invalide.
Fakten: 44 Jahre, 80Kg, 178cm. Jahrelang nur Hobbyläufer mit 10-25km/Monat. Vorbereitungszeit im Winter jobbedingt nicht ernsthaft genutzt, dann wegen Bandscheibenproblemen seit Mai nur noch Muskelaufbau in der Physio und max 1x monatlich 5-10km im lockeren Freundinnenbegleitungstrab.
Zeiten 09: Berliner HM 2h02', Berlin-Marathon 4h40', asics-10km 48'40". Bei den ersten beiden Läufen war die Taktik sehr defensiv und nur auf Durchkommen angelegt.
Nachwirkungen bis jetzt: körperlich bis auf die Knieschmerzen beim Treppensteigen in den ersten beiden Tagen nach den langen Läufe keine. Der Kopf aber verlangt nun doch, speziell nach dem erstmals auf Tempo ausgelegten 10er nach etwas mehr Ernsthaftigkeit in der Vorbereitung.
Was will der Autor uns sagen? Das Gesunde beim Marathon ist sicherlich das Training, aber wer wirklich einfach nur mal seine Grenzen suchen möchte, soll sich ruhig der Herausforderung stellen. Dein eigener Körper und - vor allem - Dein Kopf geben das Limit vor, nicht die 'Experten-'meinung.
Matthias