Von interessanten Gesprächen und ungeplanten Wettkämpfen
'Läufer sind anders...'
, dachte ich mir verwundert als der ältere Herr nach seinen ersten eröffnenden Worten: "Wenn du schon kilometerlang hinter mir läufst, dann kannst du auch gleich neben mir rennen!" , dass Gespräch begann. Mit einer Pace von 6:00min/km war er gleich zu Beginn meines "langsamen langen Dauerlaufes" am Radweg der Elbe entlang gemächlich an mir vorbeigezogen. In genau so einem Tempo, dass man einfach mitziehen musste.
Es gibt solche Tage. Manchmal kann man sein geplantes Schneckentempo trotz Trauben von hübschen spazierenden und (vor allem) beobachtenden Mädchen konsequent durchziehen und manchmal langt ein schnaufender, herumwackelnder Jogger (der trotz Regen soviel Sonnencreme im Gesicht hatte, dass es wie Clownsschminke aussah), seinen eigenen Trainingsplan ruckzuck umzuwerfen.
"Ich wusste das es schlecht wird heute...", fing er gleich darauf an. "Kaum hatte ich etwas gegessen und ZACK! Durchfall. Wie soll man rennen wenn die ganze Energie gleich wieder unten rausläuft?"
Seufzend bedauerte ich insgeheim, seiner Aufforderung nachgekommen zu sein und dachte wehmütig an das spannende Hörspiel, welches ich zugunsten eines erbauenden Gespräches kurz zuvor ausgeschaltet hatte.
"Ich hab danach extra noch einen Energieriegel gegessen. Aber irgendwie will der auch die Abkürzung nehmen!"
Gut, es ist mein tagtäglicher Beruf mit so etwas umzugehen und spätestens seit diversen MD-Grippen, welche fast alle Patienten in dem Wohnheim meiner damaligen Arbeitsstelle erfasst hatte, bin ich gegen jegliche Schrecken dieser Art gefeit. Aber warum muss mir ein vollkommen fremder Jogger so etwas gleich als ersten Satz anbieten? Fragen über die es sich nachzudenken lohnt!
Kurz darauf bog er ab um den Heimweg anzutreten. Somit kommen wir endlich weg von der Einleitung, denn die war nur dazu da von meinem
besten Lauf bisher zu berichten.

Denn in der kurzen Zeit unseres Gespräches hatten wir uns auf 5:30/km verschnellert und nach einem neuen Blick auf meine Polar stand da plötzlich eine 4:40er Pace bei KM 6 welche sich die nächsten 4 km nur unwesentlich veränderte.
Aus dem langsamen Dauerlauf war eine Tempoeinheit geworden und wunderlicherweise ging es mir dabei richtig gut. Ich beschloss es darauf ankommen zu lassen und meine geplanten 27km auf HM Distanz zu verringern.
Da liegt mein Debut im April mit geplanter Zielzeit von 1:45h. Locker wechselte ich von Matsch auf Asphalt und zurück, der Nieselregen am grauen Vormittag war herrlich erfrischend. Nach 10 Kilometern dann der Druck auf die Taste:
10km
52:32min
5:15min/km Durchschnitt
Wow, dachte ich mir. Trotz langsameren Anfangs ziemlich nahe an meiner PB von 49:46min! Jetzt wollte ich es wissen! Die nächsten 1,11Km lief ich um Energie zu tanken mit 6:45er Schnitt (immernoch 15sek schneller als das geplante heutige Durchschnittstempo!) Dann, bei 11,11 neuer Druck auf die Taste und los! Neue PB, ich komme! Mit 4:30min/km rannte ich den Weg auf Teufel komm raus zurück. Der Niesel wurde zum Regen doch das kümmerte mich nicht. Mit grossen Schritten spurtete ich schnaufend auf den durchgeweichten Elbwiesen entlang, mitten ins Runners High. Doch dieses hielt natürlich nicht lange an. Nach ca. 2km verringerte sich meine Pace spürbar auf 5:30, die restlichen 8 Kilometer sind ein Abbild des Kampfes in meinem Kopf. Mal kurzzeitig wieder unter 5min/km, mal drüber. Dann endlich das Ziel!
Die neue PB konnte ich mir abschminken, trotzdem war es ein unglaublich überraschender und intensiver Lauf.
Hier die Daten vom zweiten zehner und die Zusammenfassung.
10km
52:00
5:12min/km Durchschnitt (trotzdem auf dem Rückweg noch verbessert

)
gesamt:
21,11km
01:52:01
5:18min/km Durchschnitt
Jetzt tun sich mir zwei Fragen auf.
1. Muss ich diesen Lauf jetzt wie einen Wettkampf werten und demzufolge eine Pause einlegen? Also weh tun sie schon, die Stampferchen!

Mal sehen wie es morgen aussieht.
2. Mein HM Ziel am 26.04. ist wie schon erwähnt bei 1:45h. Das dürfte nach dem heutigen Spontantest kein Problem mehr sein. Jetzt glaube ich, dass ich bis dahin noch ein ganzes Stück mehr rausholen kann. Was könnte da realistisch sein???
mfG, Tagebuchanfänger Ren(n)é