Jaaa, gestern war es soweit. Ich stand beim ersten 5km-Lauf in meiner Karriere am Start.

Austragungsort war das Mainufer Offenbach, Veranstaltung der 16. Alessa-Chemie-Mainuferlauf.
Laufen tue ich seit etwa 4 bis 5 Monaten regelmäßig. Am Anfang bin ich eigentlich immer drauflosgejoggt und hatte keinen wirklichen Plan vor Augen, außer mich zu bewegen und Stress abzubauen. Aber irgendwann braucht man eben ein Ziel. Also bin ich mit meinem
Fahrrad eine 5km Strecke abgefahren und bin diese dann immer wieder gejoggt. Mal lief es besser und mal schlechter. Nebenbei noch 3x die Woche Basketballtraining als Ausgleich und alles wunderbar. In 4 Monaten drei Kilo abgenommen. War eigentlich nicht geplant, aber angenehmer Nebeneffekt.

Und dann kam die Entscheidung zum ersten Lauf.
Da stand ich dann gestern also ganz verlassen und alleine vor der Alessa Chemie und kannte niemanden. Hatte mich aber ausreichend informiert und konnte dann gleich meine Startnummer abholen. Überall schwirrte es nur so von professionellen Läufern in ihrer Thermokleidung und ich fühlte mich etwas komisch in meiner kurzen Sporthose und meinem einfachen Shirt. Schließlich war es dann aber Zeit, das Mainufer aufzusuchen, also machte ich mich auf den Weg, wobei mir immer mehr entgegenkamen, die gerade vom Halbmarathon zurückkamen. Die hatten es alle hinter sich und sahen zwar geschafft, aber auc glücklich aus. Ich fragte mich, wie ich wohl schauen würde, wenn ich gerade einen 21km-Lauf hinter mir hätte...
Jedenfalls konzentrierte ich mich mal auf meine eigenen 5km. Am Mainufer angekommen machte ich dann auch Start/Ziel aus und wechselte dann noch meine Schuhe. 20min noch bis zum Start. Neugierig suchte ich zwischen den Leuten nach welchen, die wohl mit mir starten würden. Dabei wimmelte es nur so von erfahrenen Läufern um mich herum. Links von mir: "Jaja, der wird auch gleich ins Ziel kommen. Heute ist er ein wenig langsamer gestartet, zieht dann aber komplett durch." Ahja. Gut. Rechts von mir: "Naja bei den 5km hab ich dann auf meine Uhr geschaut und da lag ich ganz gut in der Zeit. Bei 15km war ich immer noch schneller als beim letzten Halbmarathon und als ich durchs Ziel kam hätt ich glatt noch 10km laufen können!"
Achso. Und ich machte mir Gedanken um FÜNF Kilometer?

Nun denn, ich beobachtete dann die letzten Läufer, die noch durchs Ziel liefen, manche einfach nur geschafft, manche aber fanden auch noch die Kraft für einen richtigen Endspurt. Langsam bewegte ich mich noch und lief noch ein paar hundert Meter und hüpfte ein wenig auf und ab. Das Wetter war zwar feucht und kalt, aber es regnete nicht und die Sonne brannte nicht runter. Darauf kam es doch an. Noch 4min. bis zum Start. nUn wirds ernst.
Aber Moment!
Ich als Laufnoob hatte glatt vergessen, meine Startnummer festzumachen. Schnell kramte ich die noch hervor und steckte sie fest. Sie.
Die 901.
Ich hoffte, sie würde mehr Glück bringen als alle anderen. Nun wurden auch schon alle an den Start gerufen und eine Menschentraube bildete sich um den Start. Ich quetschte mich einfach dazwischen, hatte nicht vor, außen oder ganz hinten zu laufen. Dann ging es los und die Sekunden vor meinem ersten Start waren einfach die schönsten. Schließlich war ich auch schon unterwegs und dachte mir nur: "Die nächsten ca. 30min wirst du laufen. Nur laufen" Eine etwas ernüchternde Vorstellung, doch ich musste ersteinmal meinen Rhytmus finden. Da es mein erster Lauf war, wusste ich auch nicht wirklich, wie sehr mich andere dabei beeinflussen und wie ich meine Geschwindigkeit einschätzen kann. Ehrlich gesagt konnte ich sie überhaupt nicht einschätzen. Ich orientierte mich an einem Läufer in einem neongelben Shirt, der direkt vor mir lief. Er lief so etwa mein Tempo, also reihte ich mich erstmal hinter ihm ein, anstatt sinnlos irgendwelche Leute zu überholen. Ich hatte so meine kleinen Problemchen, meinen Atemrhytmus zu finden und bei 2km etwa dachte ich, ich würde hyperventilieren, doch dann versuchte ich, mich zu beruhigen und dann ging das auch wieder. Ein paar Läufer überholten mich und die Versuchung war natürlich groß, einfach hinterherzustürmen, aber meine Vernunft siegte ausnahmsweise und ich blieb hinter dem Neon-Mann. Schließlich ging es hinten um die 2.5km Marke herum und wieder zurück. Zwischen dem 3. und 4. km hatte ich meine "Ich kann nicht mehr, ich mag sofort anhalten"-Phase, die wirklich widerlich war, aber die war dann auch bewältigt. Und ab da war alles in Ordnung. Bei etwa 4km dann schaute ich das erste Mal zurück. Etwa hundert Meter hinter mir waren die nächsten Läufer und ich nahm mir vor, mich nicht mehr überholen zu lassen. Der Neon-Mann war schon davongezogen und auch ich wurde nun etwas schneller und griff auf meine Reserven zurück. Dann die letzte Wendung und vorne, 500m weiter, lag das Ziel. Leute am Rand, die einen ansehen und dann noch 100m. Alles geben und aufeinmal laufen die Beine wie von selbst. "Ins Ziel kommt gerade Startnummer 901 vom EOSC Offenbach". Dann war ich durchs Ziel und einfach nur fertig. Dann sitzt da jemand am Tisch und fragt "901?" und ich konnte nur noch völlig überfordert nicken. Als erstes ging es dann zum Getränkestand und 2 Becher Wasser runtergekippt. Dann nochmal auslaufen und schließlich zurück zur Alessa Chemie, bevor man scih in der Kälte den Tod holt. Der Versammlungsraum ist voll von Läufern und Wärme schlägt einem beim Betreten des Raums entgegen. Schnell was drüberziehen, noch einen Prospekt und eine Zeitschrift mitnehmen, und dann gehts auch langsam wieder zurück nach hause. Die Beine kribbeln noch und der Puls schlägt immer noch etwas höher.
Aber da ist es - das Glücksgefühl.
Und ich frage mich, ob ich gerade auch den glücklichen, seligen Gesichtsausdruck habe, den ich vorher bei den rückkehrenden Läufern beobachtet habe. Aber ich glaube schon, denn mittlerweile denke ich, es ist egal, ob man 5km oder 21km läuft, hauptsache man ist mit seiner Leistung zufrieden.
Fazit:
- 87. Platz von 114
- 21. Frau im Ziel
- 6. meiner Altersklasse von 23
- ein leichtes Ziehen in der Wade
- ein unbeschreibliches Glücksgefühl.
Der Lauf war nicht wirklich leicht für mich und zwischendrin kam er mir wirklich lang vor, aber ich werde weitertrainieren. Und mein erster Lauf wird bestimmt nicht mein letzter gewesen sein.
Die 901 hängt nun über meinem Bett.