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Alt 26.08.2009, 14:01   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #1
Gast1827
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen

Auf die Gefahr hin von Einigen jetzt etwas verwirrt angesehen zu werden, möchte ich mal Erfahrungen und Meinungen abfragen zu einem Thema, was mir so im Kopf rumschwirrt.

Nachdem ich für 2009 noch einen Landschaftsmarathon geplant habe, überlege ich in 2010 mal an einem Stundenlauf teilzunehmen.

Für den Anfang reicht ein 6 Stundenlauf vollkommen aus.

Für diejenigen die damit nichts anfangen können, kurz ne Erklärung:

Man trifft sich am Start und hat 6 Stunden Zeit zu laufen und versucht mal wieviel KM man in der Zeit so zurücklegt.

Das ganze wird in Runden gelaufen, die meistens gar nicht so lang sind. 2-4 km; Pausen kann man machen so oft man will.

Jetzt meine Fragen an diejenigen die sowas schon mal gemacht haben:

Wie fühlt man sich bei einem solchen Lauf? wie der typische Hamster im Laufrad und man verliert schnell die Lust, weil einen die Runden irgendwann anöden oder motiviert die Nähe zu den Läufern eher?

Kann man zu einer solchen Veranstaltung auch alleine anreisen oder empfiehlt es sich, eine Begleitung zu haben, die zur Seite steht?

Wie groß ist die Versuchung, viele Pausen zu machen, weil man ja jederzeit die Möglichkeit dazu hat?

Wie habt ihr Euch dafür vorbereitet? Ähnlich wie bei einem Marathon oder noch mehr lange Läufe?

Und alles was Ihr noch so erlebt oder interessantes erzählen könnt.


Mich würde aber auch die Meinung von denjenigen interessieren, die sowas noch nicht gemacht haben.

Könntet Ihr Euch sowas auch vorstellen?

Vorteil ist ja, daß im Gegensatz zu einem Streckenultra jeder für sich entscheiden kann, wieviel er läuft. Und wenn man in den 6 Stunden nur 40 km läuft ist es auch gut. Und wenn man zwischendurch ne Pause von 1 Stunde macht, ist das nur meine Sache.

Ich hoffe ich höre viele Meinungen.

LG
Laufpapa
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Alt 26.08.2009, 14:24   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #2
Running Cebra
es darf wieder laufen
 
Benutzerbild von Running Cebra
 
Registriert seit: 18.09.2006
Ort: Grossherzogtum Baden
Beiträge: 1.604
Standard

Würde mich gerne mit einigen Zusatzfragen einklinken, da das Thema mich auch interessiert.

2011 möchte ich mit einem Laufkollegen Biel laufen (weeeites Fernziel ). Als Vorbereitung würden ich gerne an einem 12h Lauf teilnehmen, mit mehreren Pausen. Z.B. in Basel. Dort ist es nur eine 1,1 km Rundstrecke.

Wie ist die Erfahrung, wenn ich nach 6-7 Std. mich für ne Stunde aufs Ohr hause oder Pause mache. Kommt man dann wieder hoch oder empfiehlt es sich lieber langsam weiter zu laufen oder gar zu gehen und gar keine Pause zu machen?

Ansonsten bin ich schon auf die Antworten zu Laufdaddys Fragen gespannt.
Running Cebra ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.08.2009, 14:29   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #3
Gast3673
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Erfahrungen......

hab ich keine.......

Ne Meinung schon.........

Erst mal kann ich aus 2. Hand berichten und nur vom Schwimmen.
Mein Sohn ist ausgebildeter Rettungsschwimmer und die veranstalten regelmäßig mit anderen Ortsgruppen 24-Stunden Schwimmen.
ER legt sich zwischendurch in den Schlafsack und schläft ein bißchen und geht dann wieder ins Wasser und schwimmt ein paar Stunden....

Ich persönlich fände das mal was anderes allerdings würde ich das für mich ja auch mal wieder nicht so ambitioniert sehen, wie es Laufpapa tun würde.
Genauso wie ich in meine Läufe in der Regel ohne feste Zielzeitvorgaben reingehe, würde ich hier auch nicht mit einer kmVorgabe arbeiten, sondern für mich wäre das durchhalten im Vordergrund.
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Alt 26.08.2009, 14:31   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #4
Schiky
"Meilen"stein
 
Benutzerbild von Schiky
 
Registriert seit: 31.01.2008
Ort: Dortmund
Beiträge: 5.494
Standard

Laufpapa

Also selbst bin ich noch keinen Stundenlauf gelaufen, aber am Samstag mit dem Finnbahnmarathon ja etwas ähnliches. Denn hier standen nun 50 Runden bzw. Schleifen an, was ja eben dem Prinzip eines Stundenlaufs nahe kommt. Meine Erfahrungen schreibe ich mal, so es passt, unter deine Fragen:

Zitat:
Zitat von Laufpapa Beitrag anzeigen
Wie fühlt man sich bei einem solchen Lauf? wie der typische Hamster im Laufrad und man verliert schnell die Lust, weil einen die Runden irgendwann anöden oder motiviert die Nähe zu den Läufern eher?
Ein wenig ist es schon so, dass man irgendwann das Gefühl hat jeden Meter zu kennen. Es ist also schon ein wenig Kopfsache mit dabei, aber die Lust habe ich auf den 50 Runden zumindest nicht verloren.

Zitat:
Zitat von Laufpapa Beitrag anzeigen
Kann man zu einer solchen Veranstaltung auch alleine anreisen oder empfiehlt es sich, eine Begleitung zu haben, die zur Seite steht?
Sollte auch alleine gehen, normal wirst du dort immer schnell Anschluß finden. Ist ja doch meist ein aufgeschlossenes Völkchen, die solche Läufe machen.

Zitat:
Zitat von Laufpapa Beitrag anzeigen
Wie groß ist die Versuchung, viele Pausen zu machen, weil man ja jederzeit die Möglichkeit dazu hat?
Die Versuchung kann je nach Verfassung groß sein, ich habe mir die Pausen gegönnt. Weniger weil ich sie wirklich alle gebraucht hätte, sondern mehr um mich eben nicht zu hetzen. Auch wenn das bei einem Marathon den Nachteil hat, dass man ja in der Zeit nicht dem Ziel näher kommt. Beim Stundenlauf schon, ich würde es aber eher als den Vorteil sehen immer gut versorgt zu sein. Daher kann man fast sagen, dass eine kürzere Runde vorteilhaft ist, also so ~1km Länge.

Zitat:
Zitat von Laufpapa Beitrag anzeigen
Wie habt ihr Euch dafür vorbereitet? Ähnlich wie bei einem Marathon oder noch mehr lange Läufe?
Ich würde/werde mich da nicht anders als auf eben einen Marathon oder so etwas drauf vorbereiten. Ist natürlich aber auch eine Frage der Zielsetzung, willst du gleich eine sehr hohe Kilometerzahl erreichen, dann schaden lange Läufe sicher nicht. Aber im Prinzip braucht es nicht mehr als eine Marathonvorbereitung, der Rest ist dann eh "nur noch" Kopfsache! Ab einer gewissen Distanz/Zeit ist ein Lauf, die entsprechende Grundfitness vorausgesetzt, schlicht Kopfsache. Man muss sich eben dann noch weiter quälen können!

Zitat:
Zitat von Laufpapa Beitrag anzeigen
Mich würde aber auch die Meinung von denjenigen interessieren, die sowas noch nicht gemacht haben.

Könntet Ihr Euch sowas auch vorstellen?
Ich kann mir so etwas definitiv vorstellen und werde es auch noch machen, wann? Mal sehen! Ich sehe da eben die Vorteile:

- gute Versorgung
- man trifft immer mal wieder andere Läufer
- es ist sicher entspannter als eine feste Distanz zu laufen (mache ich aber auch)

Einziger Nachteil ist das man sich ggf. mal langweilt und eben wie ein Hamster fühlt.

Zitat:
Zitat von Laufpapa Beitrag anzeigen
Vorteil ist ja, daß im Gegensatz zu einem Streckenultra jeder für sich entscheiden kann, wieviel er läuft. Und wenn man in den 6 Stunden nur 40 km läuft ist es auch gut. Und wenn man zwischendurch ne Pause von 1 Stunde macht, ist das nur meine Sache.

Ich hoffe ich höre viele Meinungen.

LG
Laufpapa
Dem würde ich so zustimmen! Also ich werde es ganz sicher mal machen und denke das es ne nette Sache ist, lebt natürlich von der Strecke, den Mitläufern und den Helfern. Aber wie gesagt in der Ultra"gemeinde" fühlte ich mich bisher meist mit offenen Armen aufgenommen.
Schiky ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 26.08.2009, 16:11   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #5
Lebensläufer
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Hallo Dieter,
find ich ja witzig, dass Du Dich mit ähnlichen Gedanken trägst wie ich.

Einen 6-Stunden-Lauf habe ich bislang auch noch nicht gemacht. Aber immerhin hat es schon mal für 63,3 km beim Röntgenlauf gereicht (und das hat 6,5 Std. gedauert). Insofern würde ich mich auf einen 6-Stunden-Lauf ähnlich vorbereiten, d.h. mit vielen langen Läufen. Aber auch das Tempotraining würde ich bei der Vorbereitung auf einen Ultra nicht unbedingt vernachlässigen. Aber mein Anspruch an mich selber wäre auch, in den 6 Stunden mindestens 65 km zu schaffen.

Größere Pausen kämen also für mich nicht in Frage, außer den üblichen Gehpausen an der Verpflegungsstelle, um in Ruhe zu trinken und zu essen.
Eine Begleitung bräuchte ich auch nicht. Motivieren kann ich mich alleine und die Getränke brauchen mir auch nicht angereicht werden. Einen Marathon laufe ich ja auch alleine. Und beim Röntgenultra war ich auch ohne persönliche Begleitung unterwegs.
Dass es irgendwann öde werden könnte, das glaube ich schon. Da zeigt sich dann aber die mentale Stärke, ob man diesen Tiefpunkt überwinden kann oder nicht. Auf der anderen Seite hast Du auf so einem kurzen Rundkurs (in Troisdorf z.B. 2,5 km) immer genügend andere Läufer um dich herum, dass man wahrscheinlich die ganze Zeit gut abgelenkt wird.

Machen werde ich es auf jeden Fall irgendwann (nächstes Jahre wäre durchaus möglich ),
Lebensläufer ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.08.2009, 23:26   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #6
DrSabine
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Ich war mal als Teil eines Support-Teams auf einem 12 Stunden Lauf. Meine Schwester und ihre Freundin sind gelaufen, meine jüngere Schwester und ich haben am Streckenrand ein Tischchen aufgebaut, um die Läuferinnen zu versorgen. Es war ätzend
l a n g w e i l i g. Alle Stunde gab es einen Zwischenstand. Spätnachmittags wechselte der Sprecher, der zweite brachte immerhin etwas Pep in die Veranstaltung. Er hatte das Ultra-Jahrbuch studiert und konnte ein bisschen Hintergrundwissen zu den Läufern vermitteln. Nicht gefunden hat er allerdings den zunächst unauffälligen und später souverän Führenden sowie die beiden Mädels.

Zum Glück öffnete um halb zwei die Kneipe gegenüber und das Support Team konnte sich mit einem schönen Weizenbier supporten, was von Läufern und anderen Supports mit ungläubigem Staunen quittiert wurde. Zwischendurch kamen die Damen zu uns, setzten oder legten sich hin und fragten laut, warum sie sich den Quatsch eigentlich antun - und eigentlich hätten sie die Schnauze voll. Prima, sagten wir, können wir ja fahren! Aber nee, so einfach sollte es dann doch nicht sein. Wir mussten durchhalten. Zum Schluss bin ich völlig untrainiert mit meiner Schwester ein paar Runden gelaufen/gegangen, nach zwei Umdrehungen war es schon öde. Gut 1km lang war so ein Kringel. Um 20:00 Uhr war endlich Schluss. Da es nur zwei Frauen als Einzelläuferinnen gab, haben die beiden Platz 1 und 2 belegt. Meine Schwester ist um die 95km gelaufen, ihre Freundin etwas weniger.

Ich hab mir damals geschworen und bin bis heute davon überzeugt: NIEMALS werde ich so einen Schwachsinn machen!
Ich reite nicht in Kringeln, ich laufe nicht in Kringeln. Basta.
DrSabine ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.08.2009, 09:36   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #7
Lebensläufer
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Ach Sabine, ich liebe Deine glasklaren und witzig/ironischen Statements.
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Alt 31.08.2009, 22:24   Stundenläufe - Erfahrungen und Meinungen Beitrag #8
DrSabine
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Zitat:
Zitat von Lebensläufer Beitrag anzeigen
Ach Sabine, ich liebe Deine glasklaren und witzig/ironischen Statements.
Öh, ich tret mal beiseite und damit hoffentlich aus dem Fettnäpfchen raus...

Ich sag halt manchmal meine höchst eigene Meinung recht - äh - direkt!

Vielleicht hilft dem Laufpapa ja ein Erfahrungsbericht weiter. Verfasst von meiner laufenden Schwester, also das gleiche Event aus Läufersicht (Achtung, laaang!)

"Ich dreh‘ nun schon seit Stunden, hier so meine Runden..."
8. Gmünder 12h Lauf
26. Juni 2004

Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, was mich bewog, mich beim 12 h Lauf in Gmünd anzumelden. Aber irgendwie hat es mich gereizt und auch meine Frankfurter Freundin Gabi ist diesem Reiz erlegen.

So reist also am Freitagnachmittag Gabi in S... an und wir müssen am Samstagmorgen nicht alleine nach Gmünd fahren. Zu unserer Unterstützung sind meine Schwestern Sabine und Susi dabei. Sie hatten mir leichtsinnigerweise einen "Jubelgutschein" zum 40. Geburtstag geschenkt, an einen 12h Lauf hatten die beiden dabei aber sicher nicht gedacht! ;-)

Da das Angebot von Veranstalterseite aus an essen und trinken im Vorfeld etwas dürftig klang, haben wir das Auto gut voll gepackt und meine von uns mit "Support-Team" T-Shirts ausgestatteten Schwestern packen ausser Klappstühlen und einem kleinen Tisch auch Speisen und Getränke aus. Wir haben Tee, Buffer und Cola dabei, dazu noch Cracker, Kartoffelbrei, Chips, Gummibärchen und Früchtequark, man weiß ja nie nach was uns der Sinn stehen wird und 12 Stunden sind lang.

Morgens um 8 Uhr fällt der Startschuss, 12 Staffeln und 14 Einzelläufer sind angetreten. Unter den 14 Einzelläufer sind gerade mal zwei Frauen, Gabi und ich. Gabi macht mich schon zu Beginn darauf aufmerksam, dass unter den Männern einer ist, der vor gerade mal zwei Wochen in Biel beim 100 km Lauf den 21. Platz belegt. Und da jammern wir beide, dass uns der Rennsteiglauf und das, was wir dazwischen gemacht haben, noch in den Knochen steckt?

Jetzt erst mal die Strecke erkunden, ins Tempo finden, mit dem Lauf warm werden. Auf einem Fußgängerweg geht es entlang des Josephsbachs und ein Stück auf dem Gehweg an der Parlerstraße "hinunter" dann wieder auf Fuß- und Gehwegen am Josephsbach "hinauf" und zurück zur Zähleinrichtung. Die Runde ist 938 m lang und verläuft am westlichen Rand der Gmünder Innenstadt zum größten Teil im Schatten großer Bäume. Ein Segen angesichts der Tatsache, dass es tatsächlich Sommer geworden ist.

Einzelläufer erhalten ein Armband mit Transponder, die Staffeln laufen mit Staffelholz, mit einem Pieps quittiert die Zähleinrichtung die Runde.

Über die Tatsache, dass ich 12 Stunden lang laufen will, mache ich mir keine Gedanken. Ich laufe 4,5 Runden und gehe dann eine halbe Runde, nutze die Gehpause zum essen und trinken und strukturiere so die Zeit in Happen von einer starken halben Stunde. Die ersten Stunden sind recht ereignislos. Nach drei Stunden spüre ich eine Weile unangenehm die Oberschenkel doch das geht wieder vorüber und dann läuft es richtig gut. Ich bin meiner Marschtabelle sogar ein paar Minuten voraus, so könnte ich gut 100 km schaffen.

Während Gabi und ich von Anfang an Gehpausen machen, "erwischen" wir in den ersten drei Stunden keinen der Männer dabei. Doch dann fangen auch die an zu gehen und nach vier Stunden sitzt schon der erste ermattete Krieger auf einer Parkbank.

Es geht auf 14 Uhr zu. Die 6 h Marke rückt näher. Die Zeit ist recht schnell vergangen, obwohl es nicht spektakuläres zu beobachten gab. Nur ein paar Penner, die es sich auf einer Parkbank mit mehreren Kästen Bier gemütlich gemacht haben. Oder das Parkleitsystem, dessen Anzeige man entnehmen kann, dass die innenstadtnahen Parkhäuser nur zwischen 10 und 12 Uhr voll sind.

Sechs Stunden. Ich schwanke zwischen freudigem "schon 6 Stunden" und entsetztem "nur 6 Stunden". Nochmal das Gleiche? Im selben Tempo? Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich versuche die zweifelnden Gedanken zu verscheuchen, es gelingt mir nicht richtig. Ich halte erst mal das Tempo, doch nach sieben Stunden ist die Krise da. Die erste außerplanmässige Gehpause... Dann sehe ich, Gabi liegt bei meinen Schwestern im Gras und schläft! Ich werde immer langsamer, trotzdem werde ich kaum noch überholt. Wo sind denn die ganzen Leute? Viele gehen, einige von den Männern sitzen und liegen herum. Ich greife zu Cola und rapple mich nochmal auf, doch nach acht Stunden ist ein Punkt gekommen, da tut mir alles weh. NIE WIEDER! schießt es mir durch den Kopf.

Der Streckensprecher, der mich stundenlang so freudig "hier ist unsere führende Frau" begrüßt hat, schweigt inzwischen betreten, wenn ich komme. Ich habe Durst, gegen den nichts zu helfen scheint, alles schmerzt. Ich setze mich kurz zu meinen Schwestern. Eine weitere Runde ganz langsam? Ich schleiche so vor mich hin.

9 Stunden, ich lege mich kurz hin. Was soll das, denke ich? An 100 km ist längst mehr zu denken, noch weitere drei Stunden hier im Kreis herum latschen? Warum höre ich nicht einfach auf?

Susi meint, dann könnten wir doch gleich heimfahren. Hm, also das will ich auch nicht. Gabi und ich sind die einzigen Frauen, dass ich gewinne ist fast nicht zu vermeiden, da kann ich doch nicht einfach abhauen! Ich beschliesse, einfach nur noch zu gehen.

Meine Schwestern erzählen anschliessend, dass zwischen 6 und 9 Stunden allgemeine Krisenstimmung angesagt war. Nur der spätere Sieger und der Zweitplatzierte haben unbeeindruckt gleichmässig ihre Runden gezogen.

Das Publikum honoriert mit Beifall, dass ich mich irgendwie weiterschleppe. Aufmunterung kommt auch von den vorbeizischenden Staffelläufern. Das tut unendlich gut. Der spätere Sieger, Sigurd Dutz, der "Mann aus Biel", hat inzwischen den Streckenrekord von 125 km eingestellt, ein neuer Streckensprecher ist da und stachelt das Publikum an.

Ich gehe einige Runden zusammen mit Gabi und sie meint, das mit den Runden sei doch der letzte Mist. So groß die Versuchung, einfach hinzusitzen und nur noch die Uhr weiter laufen zu lassen. Das erscheint mir in diesem Moment auch als der große Nachteil der Stundenläufe. Kein Ziel, das erreicht werden "muss", die Motivation muss aus etwas anderem kommen. Und sie kommt auch für mich wieder.

Nach knapp elf Stunden schreckt mich der Streckensprecher auf. 90 km seien für mich noch drin, meint er. Diese Aussicht motiviert mich mehr, als ich mir hätte vorstellen können. Bine begleitet mich, ich beschleunige meinen Schritt, wir überlegen, wieviele Runden noch für 90 km fehlen. Ich kriege das nicht mehr zusammen gerechnet aber so ganz knapp will es nicht werden lassen, ich laufe wieder die "bergab"-Teile der Runde. Denn natürlich hat Gabi in der ersten Runde recht gehabt, aus der leichten Steigung auf der zweiten Hälfte der Strecke ist ein richtiger Berg geworden.

Mir geht es wieder richtig gut, die lange Geherei hat mich in jeder Hinsicht erfrischt und am Ende kann ich sogar wieder richtig rennen. Die einzige Frauenstaffel "jagt" mich mit fröhlichen Rufen auf der letzten Runde und tatsächlich denke ich "schade" als der Schuss ertönt, der das Ende der 12 Stunden signalisiert. Knapp 93 km sind zusammengekommen und ich bin damit richtig zufrieden.
DrSabine ist offline   Mit Zitat antworten
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