Beim Jubiläumsmarathon, der vierzigste, hätte man mit einer Wette auf Marco Mambo kein Geld verdienen können. Er galt als der sichere Sieger und hätte damit gleichzeitig Geschichte geschrieben: Der erste Läufer überhaupt, der viermal gewinnt. So sah es auch nach einem Start-Ziel Sieg von Mambo aus. Bis 2 km vor Finish hatte er mehr als 80 Sekunden Vorsprung. Die letzten 2 km sind für jeden eine Herausforderung: man hat 54 km in den Beinen, es geht wellig bergan und man läuft in der Sonne. Aber das gilt eben für jeden. Und Mambo erlebt einen Einbruch auf die letzten 2000 Meter, wie ihn jemand selten erlebt. Offenbar geht nichts mehr. Und er wird mit 51 Sekunden Rückstand Zweiter. Immerhin in 3:11, was ja auch nicht von schlechten Eltern ist. Für Oceans Maßstäbe aber eine mäßige Zeit.
Bei der Frauen Konkurrenz sah es ganz anders aus: Die Nurgaliewa Zwillinge dominierten das Feld von Anfang bis Ende, und hatten sich auf ein totes Rennen verständigt. Und so liefen sie dann auch ein: Hand in Hand, mit 15 Minuten Vorsprung zur Dritten. Nur 4 Läuferinnen bleiben unter 4 Stunden, Negativrekord. Zeitgleich in der Wertung, aber Elena wurde dann zur Siegerin erklärt über ihre Schwester Olesia. Vielleicht hat sie ja einen Sekundenbruchteil früher gelächelt. Wahrscheinlich hat es mit der Siegprämie zu tun, die es eben nur einmal gibt. Bei so einem Lauf auf die Zehntelsekunde zu schauen hätte etwas wahrhaft bedauerlich kleinkariertes an sich.
Wahrhaft tragisch, oder unvernünftig (?), ist ein Läufer, der auf die Zielgerade einbiegt, noch 250 Meter zu laufen hätte, aber es sind nur noch 50 Sekunden bis zum Cut Off (man überlege sich: beim Berlin Marathon gäbe es, vergleichbar, einen cut-off von 4:30, und jeder der später ankommt, wird nicht gewertet), er taumelt und hat sichtlich Schwierigkeiten, auf den Beinen zu stehen. Er fällt schließlich hin, vollkommen hilflos und krampft. Es schmerzt schon beim zusehen. Klar, könnte man einwenden: schlecht trainiert, zu wenig oder falsch getrunken. Also selber schuld. Aber es bleibt tragisch. Für diesen Läufer hieß es: 7 Stunden gelaufen, ohne im Ziel zu sein.
Am Ende kommt heute noch die Nachricht, ein Läufer sei auf der Ziellinie gestorben. Die Meldung ist aber unbestätigt.
Die Bedingungen für den Lauf waren schlicht optimal: Morgens ca. 15 Grad, bis Mittag dann ca. 28 Grad, volle Sonne, kaum Wolken am Himmel, ein sehr schwacher Wind von Süd-Ost.
Mein Ziel war einfach nur zu finishen, die Sainsbury hatte ich 2008 erkämpft. Kein Plan B. Dann gab es aber erstmal seit 2006 eine pace-Gruppe für sub 5h, ein "Bus" wie das hier genannt wird. Und die Gruppe war groß. Ich schätze um die 30 Läufer. Also habe ich mich dieser Gruppe angeschlossen und von einer neuen Bestzeit geträumt. Alles war im grünen Bereich, die ersten 20 km eine Spur zu schnell, Chapmans Peak hoch easy und bergab nach Hout Bay eine Spur zu langsam. Die Marathon Marke passiert der Bus dann bei 3:41 (2008 bin ich mit 3:37 durch). Doch der Anstieg nach Constantia ist ein Killer. Noch bis zur Spitze Constantia Nek habe ich mitgehalten, aber dann innerhalb von vielleicht einer Minute den Anschluß verloren. Zwar bin ich dann auf der sub 5h Linie noch geblieben, aber die Motivation, gegen die Schmerzen durchzulaufen, zerbröselte. So hat es noch zu einer passablen 50 km Zeit von 4:30 gereicht, aber nach Kirstenbosch (km 52) war dann Motivationsende. Die letzten besagten 2 km bin ich dann sehr langsam ins Ziel gejoggt. Mehr sollte ja auch nicht sein. Erstaunlicherweise fühlen sich meine Beine einigermassen gut an, sogar hinsetzen funktioniert ohne Hilfsmittel. Mit meinem sechsten Finish habe ich jetzt die zweite Hälfte der 10 Finish eröffnet, die man braucht für die "blue number".
Auch für mich war es ein Jubiläum: Marathon Nummer 100 (je nach Zählweise: wenn Ultras dazu zählen sind es 100, wenn nicht, nicht). Jetzt ist es dreistellig und damit hört jetzt die Zählerei auf.
Grüße aus Kapstadt
bleisocke
Geschrieben von: bleisocke
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2009 gelaufen: 1.551,0 km