Welt, Leben und Internet sind so voll von Runners' Highs, dass sie fast als regelmäßiger Segen des Papstes durchgehen könnten: benedictio currum per urbe et orbi et idiotum! Die Zwangsinfizierung führt öffentlich zu einer Welle an Glückseligkeit, die sich wie eine
Nike-Schuh-Epidemie in die letzten Winkel des Läuferplaneten zieht. Einem öffentlichem Gelöbnis gleich wird auf den Phrasenzug aufgesprungen und werden Formeln gemurmelt, um einerseits Zugehörigkeit zu demonstrieren, andererseits Generationenwissen zu bestätigen. Und so hagelt es Glücksgefühle; in thematisch gebündelten Menschenmengen gleich im günstigeren Dreierpack.
Auch ich glaube, eines erlebt zu haben, times and times and times ago. Die derzeitige Erinnerung daran basiert auf Schriftstücken, nichts weiter. Die heutige Quälerei dagegen gleicht dem großen Antagonisten aufs
Haar, dem bösen Gegenprinzip in der Läuferszene, dem
Sauron unter den Langstreckengefühlen. Von Kilometer eins an war da nichts weiter als das Runner's Low, dessen vornehmliche Aufgaben sich auf erzwungene elf Kilometer und die damit verbundene Verlängerung seiner selbst zu reduzieren schienen. Angesichts von morgen absolvierten vierhundert Monatskilometern dauert die Saison länger, je eher sie vorüber ist. Und so sehne ich nur Stunden nach der Anmeldung für den Ruhr-Marathon 2009 ein bewegungsreduziertes Jahresende herbei.
Also richte ich mein Anliegen an die Sonne und ihre Pflicht, glücklich zu machen. Es soll bereits helfen, sich einfach in selbige zu legen: Strahlen treffen Sympathikus, kitzeln Vitamin D und dergleichen hervor. Befriedigung durch reine Passivität, welch Kind einer Konsumgesellschaft ich doch bin.